Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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26.04.2007

Im Gespräch: Volker Hassemer

Zum Abschluss der von Ihnen mitorganisierten Konferenz "Forum Belgrad" wurde in einer Resolution auf die "Schlüsselrolle" der Kultur bei der Demokratieentwicklung in Osteuropa hingewiesen. Warum ?

Volker Hassemer: Der kulturelle Bezug macht deutlich, dass Demokratie mehr ist als eine Regelungstechnik zur Machtverteilung. Die Entwicklung der Demokratie in Europa gehört zu den besonderen Leistungen des Kontinents. Sie ist ein Teil der hier entwickelten Kultur, eine Grundvoraussetzung des achtungsvollen, respektvollen und gerechten Zusammenlebens der Menschen. Wir leben und genießen europäische Kultur, wenn wir demokratische Grundsätze in unserer politischen Praxis beachten und verfeinern. Und es zeigt auch: Kultur ist weit mehr als Kunst.

Wie wichtig ist umgekehrt die Entwicklung der Zivilgesellschaft für die kulturelle Entwicklung, wie wichtig sind kulturelle NGOs neben staatlichen Förderangeboten ?

Die Basis der Demokratie ist die Zivilgesellschaft, "die Politik" ist dabei ihr Dienstleister. Ohne eine aktive Zivilgesellschaft droht Politik sich zu verselbständigen, sich von Auftrag und Auftraggeber zu entfernen. Mit den NGO s (eigentlich kann ich es nicht leiden, dass man mit dieser Bezeichnung diese Organisationen wiederum - negativ - von Regierungsorganisationen her definiert) tritt die Zivilgesellschaft unvermittelt auf. Das macht ihren besonderen Wert aus.

Liegt die "Seele Europas" in der "Kultur der Vielfalt"? Aber: Ist Kultur allgemein ohne Vielfalt überhaupt denkbar ?

Wir sagen mit "Europa eine Seele geben", dass die europäische Kultur Europa als Ganzes charakterisiert. Und die Charakterisierung dieser europäischen Kultur wiederum liegt u.a. ihrer Vielfalt: dass nämlich dieses gemeinsame Europa über den Reichtum sehr unterschiedlicher - und jeder für sich interessanter - kultureller Erscheinungs- und Ausdruckformen verfügt. Europäische Kultur ist ohne diese Vielfalt nicht denkbar, jede einzelne Erscheinungsform ist andrerseits für sich eine kulturelle.

Die moderne Kunst Europas hat viele Wurzeln auch im außereuropäischen Kulturkreisen und hat viele außereuropäische Kunstformen adaptiert. Was ist europäisch an der europäischen Kultur ?

Lebendige Kultur ist Teil der Weltkultur, wirkt sich als solche auch außerhalb ihres Heimatbereichs aus. Will man sie definieren und erkennen, lohnt es sich allerdings, danach zu fragen, wo, in welcher Tradition, in welchem Umfeld sie entstanden ist. Deshalb ist es wichtig, ist es nötig, von europäischer Kultur zu sprechen: die Kultur, die in den besonderen Interaktionen innerhalb dieses Kontinents entstanden und so das geworden ist, was wir heute (und nicht nur wir in Europa) an ihr bewundern.

Kultur vermittelt sich teilweise über Sprache (Literatur, Theater), teilweise  nonverbal (Musik, Tanz, Bildende Kunst). Wie wichtig ist eine Lingua Franca für den kulturellen Dialog  in Europa ?

Unterschiedliche Sprachen behindern die Kommunikation, das ist eine Binsenweisheit. Um sich verbal miteinander verständlich zu machen, ist es gut, eine Sprache nutzen zu können, die die Gesprächspartner verstehen. Gleichwohl ist die Unterschiedlichkeit der Sprachen deshalb ein Reichtum, weil sie ein bedeutender Bestandteil der jeweiligen und unterschiedlichen Kulturen sind. Wie die Vielfalt der Kulturen, so ist auch die der Sprachen eine kulturelle Schutz- und Entwicklungsaufgabe.

Birgt die kulturelle Vielfalt Europas keine  Risiken ?

Vielfalt, Unterschiede können zu Konfliktpotentialen werden. Sie können aber auch als Energiebündel wirken. Ob das eine oder das andere eintritt, ist eine Frage des kulturellen Umgangs mit dieser Vielfalt. Kultur in Europa zu stärken und zu sichern heißt deshalb zweierlei: Gefahren vorzubeugen und zum anderen Kraft zu schöpfen; seine Leistungsfähigkeit erhöhen und diese Leistungsfähigkeit anderen, möglichen Partnern zu verdeutlichen. Arbeit für die Kultur in Europa erhöht die Produktivität Europas in der Welt.

Die Fragen stellte Wolfgang Hippe.

Volker Hassemer, Senator a.D. (Stadtentwicklung, Umweltschutz, Kultur), gehört zu den Initiatoren der Initiative „Europa eine Seele geben“ und ist deren Sprecher. Von 1996 bis 2002 war er Geschäftsführer von „Partner für Berlin“. Mehr hie

 


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