Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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06.03.2007

Geschichte für Europa

Adolf Muschg, schweizerischer Schriftsteller, Germanist und Philosoph und vormals Präsident der Akademie der Künste in Berlin, hat bei einem Treffen der EU-Bildungsminister in Heidelberg für ein gemeinsames Europäisches Geschichtsbuch geworben: „Ich halte das für eine fantastische Idee“, sagte der Schriftsteller: „Das ist ein Projekt, das sicher noch eine höhere Reife der Kulturteilnehmer benötigt“. Die Idee stieß bei mehreren Delegationen auf Zustimmung. Kritisch äusserten sich hingegen u.a. die Vertreter Polens und der Niederlande.

Die aktuelle Debatte über ein gemeinsames Geschichtsbuch hatte die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan angestoßen. Als Vorbild verwies sie dabei auf das deutsch-französische Projekt eines Europäischen Geschichtsbuchs, das mittlerweile in den Schulen Verwendung findet. Eine Möglichkeit, mahnte Schavan ihre Amtskollegen aus den 26 EU-Staaten sowie aus einigen Nachbarländern, „die Werte und gemeinsame Perspektiven“ der Europäer herauszustellen.

 

 Die Initiative für das deutsch-französische „Europäische Geschichtsbuch“ ging vor knapp zwei Jahrzehnten von dem Bankier Frédéric Delouche aus. Er leitete auch die Kommission, die seinerzeit eine erste Fassung des „Experimentes“ erarbeitete. Alfred Grosser bezeichnete das Vorhaben 1992 als „geradezu revolutionär“. In der Kommission waren zwölf Historiker aus zwölf europäischen Ländern vertreten. Dieter Tiemann, einer der damaligen Ko-Autoren: „Wir haben lange so getan, als sei die ganze Geschichte die Geschichte der Nationen und der Nationalstaaten. Wir leben noch im Bannkreis dieser nationalstaatlichen Vorstellungen und die zu überwinden, ist nicht ganz einfach.“ Die damit verbundenen Schwierigkeiten zeigten sich in nahezu jedem Detail. Sir Francis Drake beispielsweise gilt aus englischer Sicht als „Held“, aus französischer als simpler Freibeuter und Gangster. Karl der Große gilt den Deutschen als „deutscher“, den Franzosen als „französischer“ Kaiser. Die Wertung Napoleons differiert ebenso stark wie die der portugiesischen und spanischen Entdeckungsfahrten oder die Beurteilung der Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

 

Adolf Muschg wird sich dem Thema auf die eine oder andere Weise auf dem Kongress kultur.macht.europa widmen. Sein Thema am 7. Juni in Berlin: „Wie nutzt Europa die Chancen seiner kulturellen Vielfalt?“


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