Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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Krise, aber vielleicht auch mehr

Harald Welzer, Sozialpscholge und am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) mit dem Projekt KlimaKultur befasst, wundert sich über die perspektiv- und phantasielose Debatte um die aktuelle weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise. „Auf die Idee, es handele sich hier möglicherweise um etwas anderes als eine "Krise", kommt offenbar niemand.“, überlegt er. Deshalb werde verfahren wie üblich: „Man leiht Geld, dreht an fiskalischen Stellschrauben und hofft dringend darauf, dass das doch bitte alles bald vorüber sein möge. Das Fehlen jeglicher Klarsicht in der Einschätzung des Ausmaßes und der Folgen des Debakels deutet freilich an, dass das, was gerade geschieht, systemisch gar nicht vorgesehen ist.“ Die Ursachen für die eigentümliche Blindheit liegt im Kulturellen: „In dem Augenblick, in dem Geschichte stattfindet, erleben Menschen Gegenwart. Soziale Katastrophen passieren im Unterschied zu Hurrikans und Erdbeben nicht abrupt, sondern sind ein für die begleitende Wahrnehmung nahezu unsichtbarer Prozess, der erst durch Begriffe wie ‚Kollaps` oder ‚Zivilisationsbruch’ nachträglich auf ein eruptives Ereignis verdichtet wird. Fragen, warum nicht gesehen wurde, dass eine Entwicklung auf die Katastrophe zusteuerte, stellen Historiker in dem Wissen darum, wie die Sache ausgegangen ist. Sie blicken vom Ende einer Geschichte auf ihren Beginn und erzählen als Retro-Prognostiker, wie es zu diesem oder jenem Ergebnis kam, gar kommen musste.“ Das vollständige Essay von Harald Welzer finden Sie hier . Mehr zum Projekt Klimakultur hier .

 

Olivenöl vs. Sahne

Paul Bocuse, Marc Veyrat, Guy Savoy und Nicolas Sarkozy haben ein gemeinsames Ziel: neben anderen Starköchen und Prominenten unterstützen sie den Antrag an die Unesco, Frankreichs Küche zum Weltkulturerbe zu küren. Keine Küche sei so vielfältig wie die französische, erklärte Guy Savoy: „Wir sind einzigartig“. Eine Würdigung als Weltkulturerbe würde es Frankreich ermöglichen, Küche und Kochen besonders zu fördern. Neben Steuererleichterungen für Sterne-Küchen soll ein Museum für Kochkunst eröffnet und Kochen als Schulfach eingeführt werden, um das Kulturelle Erbe am Leben zu erhalten. In Frankreichs Küchen kommt neben Olivenöl traditionell auch Sahne und Butter zum Einsatz.

Aufs Olivenöl pochen dagegen Italien, Griechenland, Spanien und Marokko. Die Länder plädieren gemeinsam dafür, stattdessen die mediterrane Küche zum Weltkulturerbe zu erheben und verweisen dabei neben dem gemeinsamen Gebrauch von Olivenöl auf die reichliche Verwendung von Gemüse und ähnliche Zubereitungsarten etwa bei Fisch. Jeweils Ende 2009 und 2010 wird die Unesco über diese und andere Bewerbungen entscheiden. Der Antrag zur Mittelmeerküche steht bereits 2009 auf der Agenda, Frankreichs Intervention steht erst 2010 zur Debatte. Ob sich der französische Präsident vor diesem Hintergrund noch weiter für eine Mittelmeer-Union stark machen kann, wird sich zeigen.

 

Experten gesucht

Andreas Kämpf, Präsident der European Network of Cultural Centres (ENCC), ist auf der Suche nach Experten, die ihn und die ENCC bei der Planung von Short Cut Europe 2010 beraten. Die Konferenz wird während des Kulturhauptstadt-Jahres in Essen stattfinden und sich mit dem Thema "Cultural participation and social transformation" befassen. In der ersten Jahreshälfte von 2009 wird es dazu ein Expertentreffen geben. Kooperationspartner der Konferenz sind die Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren and der Fonds Soziokultur. Mehr hier 

 

Europawahl
Im Juni 2009 steht die Wahl zum Europäischen Parlament an. Die Europaabgeordneten Helga Trüpel, Ruth Hieronymi und Doris Pack bilanzieren die europäische Kulturpolitik der letzten Legislatur. Hieronymi, die aus dem Parlament ausscheidet, verweist noch einmal auf die Chancen und Risiken der neuen digitalen Technologie für die kulturellen Inhalte. Pack bedauert, dass kulturpolitische Aspekte immer noch zu häufig hinter wirtschaftspolitischen Fragen zurückstehen. Trüpel ist da realistisch-optimistischer: „Fast alles, was in der nun auslaufenden Legislaturperiode im EP verhandelt wurde, bleibt work in progress. Auch in den kommenden fünf Jahren ist im Bereich Kulturpolitik viel zu tun.“ Mehr hier 

 

Uneingelöste Versprechen

Franz-Josef Hutter und Carsten Kimmle bilanzieren „60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ und kommen zu dem wenig überraschenden Ergebnis: „Die großen Erfolge im Bereich der Normensetzung und Institutionenbildung sowie die heute scheinbare Selbstverständlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz menschenrechtlichen Engagements dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor – teils massive – Defizite im Menschenrechtsschutz bestehen. Obwohl eine wachsende Zahl von Staaten die immer konkreter werdenden internationalen Menschenrechtsverträge ratifiziert – und das bedeutet: völkerrechtlich verbindlich anerkennt und deren Umsetzung verspricht –, ändert sich für die Wirklichkeit der Menschen oft nur wenig.“ Mehr hier

 

Support your local culture

Lidia Varbanova, Editor of the Resources for Research section of LabforCulture, hat sich mit Problemen rund die Kulturhauptstadt Europas befasst und die Ergebnisse einer Umfrage zusammengefasst, die der Frage nachgeht, wie die Bewohner und Bürger der jeweiligen Städte und die örtlichen Kulturangebote in die Planung etwa der Bewerbung eingebunden wurden und werden. Mehr hier

 

Prix Lux

Luc und Jean-Pierre Dardenne, belgische Filmemacher, haben mit „Lornas Schweigen“ (Le Silence de Lorna) den diesjährigen „Prix Lux“ gewonnen. Der Filmpreis des Europäischen Parlaments wird seit 2007 vergeben. Zur Wettbewerbsjury gehören alle 785 MdEPs. Sie haben die Möglichkeit, aus drei in einer Vorauswahl siegreichen Kandidaten auszuwählen. Vergeben können sie bis zu drei Stimmen. Voraussetzung: sie haben sich alle in der Endausscheidung stehenden Filme angesehen. Übergeben wird der Preis vom EP-Präsidenten Hans-Gert Pöttering. Der Siegerfilm wird anschließend in allen EU-Mitgliedsländern in die Kinos gebracht und dabei mindestens mit Untertiteln in der jeweiligen Landessprache versehen. Die Dardenne-Brüder erhielten bereits mehrfach hochrangige Auszeichnungen für ihre Werke, darunter mehrfach die Golden Palme von Cannes. Erster Gewinner des Lux war 2007 Regisseur Fatih Akin mit „Auf der anderen Seite“. Mehr zum „Prix Lux“ hier. Die Website von “Lornas Schweigen” finden Sie hier

 

Research Award Kulturpolitik

Dr. Sophia Labadi, Fachfrau für Kulturelles Erbe und kulturelle Vielfalt aus Frankreich, ist Gewinnerin des Cultural Policy Research Award 2008. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich an Nachwuchswissenschaftler für besondere Leistungen der Kulturpolitik-Forschung (cultural policy field and cultural policymaking) vergeben. Gestiftet wurde der Preis von European Cultural Foundation (ECF), dem Riksbankens Jubileumsfond in Kooperation mit ENCATC (European Network of Cultural Administration Training Centres). Die internationale Jury unter Vorsitz von Milena Dragicevic Sesic (Serbien) gab Labadi den Preis für eine Arbeit über den Zusammenhang von socio-ökonomischen Einflüssen und kultureller Vielfalt im Denkmalschutz („Measuring the socioeconomic impacts of regenerated heritage sites characterised by a high degree of cultural diversity”). Auch die Biografie der Preisträgerin steht für Multikulturalität. Als Tochter algerischer Einwanderer beschäftigte sie sich bereits während ihres Studiums mit unterschiedlichen kulturellen Einflüssen. Später arbeitete sie u.a. für Organisationen wie die UNESCO, die Getty Foundation oder ICOMOS, die sich sämtlich mit Fragen des internationalen kulturellen Erbes befassen. Mehr zum Preis hier

 

Kunst im öffentlichen Raum

Herve-Armand Bechy liegt die Kunst im öffentlichen Raum am Herzen. Seit 1976 befasst er sich mit dem Thema und hat dazu zahlreiche Artikel verfasst. 1983 startete er sein eigenes Magazin “Les Dossiers de l’Art Public”, das erste, das sich international dem Thema widmete. Seit 1997 zeichnet er auch für die website art-public.com verantwortlich, die zahlreiche Infos zum Thema präsentiert und einen weltweiten Überblick zu Diskussionen und Projekten in Stadt und Land bietet. Mehr hier

 

In Bewegung

Odile Quintin, General Director der DG Erziehung und Kultur, lädt am 12. Dezember wieder nach Brüssel. Unter dem Titel „Kultur in Bewegung“ findet eine erste Konferenz über die aktuelle Kulturförderung (Culture 2000 und Culture Programmes) statt. Neben Erfahrungsaustausch und der Vorstellung von good practice-Projekten geht es vordringlich um die Synergien zwischen den Kulturprogrammen und der Europäischen Kulturagenda. Themen dabei u.a. die Mobilität von Künstlern, der Zugang zu Kultur und Bildung, der Interkulturelle Dialog und Fragen von kreativität und Innovation. Mehr hier

 

Kulturradios

Arne Wessberg, Präsident der PRIX EUROPA Allianz 2008 und vormals Intendant von YLE und Präsident der EBU, ist dieser Tage ebenso gespannt wie seine beiden Vizepräsidenten Doris Pack, MdEP und Frank-Dieter Freiling vom ZDF. Denn noch bis zum Sonntag werden die diesjährigen Preise des PRIX  Europa ausjuriert. Außerdem auf dem Programm: der „Berlin Summit“ (Kultur-Gipfel), auf dem am 24. Oktober debattiert von der EBU Culture Group ganztägig über Zielgruppen, Marketingstrategien, Programmgestaltung und die nationale und regionale Bedeutung von Kulturradios in Europa diskutiert wird. Die Konferenz wird von Karl Karst, Programmchef WDR 3 und Vorsitzender der EBU Culture Group geleitet und von Raina Konstantinova, Radiodirektorin der Europäischen Rundfunkunion, eröffnet. Mehr hier 

 

607 Millionen

Volker Thomas lobt die deutsche Künstlersozialkasse (KSK) als einmalig in Europa: „Die KSK hat sich von einer kleinen Versorgungseinheit für Not leidende Künstler zu einer Behörde mit einem Haushalt von 607 Millionen Euro (2007) entwickelt.“ Und: „Erst durch die Künstlersozialkasse (KSK) sind viele Künstler und Publizisten in der Lage, ihren Beruf auszuüben. Das Durchschnittsjahreseinkommen der Künstlerinnen und Künstler, die bei der KSK versichert sind, lag Anfang 2008 bei rund 12.600 Euro. Das sind 1.050 Euro im Monat, die neben dem Aufwand für das tägliche Leben, Miete und Fahrtkosten auch noch für die Absicherung im Krankheitsfall und das Alter reichen sollen.“ Ob das denn das tatsächliche Einkommen der Betroffenen ist, vermag die KSK allerdings nicht zu sagen, denn die Daten basieren auf Schätzungen. Doch das ist eine andere Geschichte. Mehr über die KSK hier . Die Website der KSK finden Sie hier .

 

Evolutionäre Neugier

Helga Nowotny befindet, dass Neugier „für die evolutionäre Geschichte der Menschheit, für das Überleben und das kulturelle Erlernen unabdingbar“ ist. Neugier als Passion und als Leidenschaft, vor allem aber „als Sucht auf das Neue, als ständige Wiederholung der erfahrenen Reize" ist sie unverzichtbar – auch wenn es sie nicht kümmert, wohin die Reise führt. Denn sie ist „niemandem verpflichtet als sich selbst“. Als „nomadische Pfadfinderin widersetzt sie sich allen Zwängen, die ihr die Gesellschaft aufzuerlegen versucht.“ Mehr hier 

 

Symbolträger

Carol Campbell, Vorstandsmitglied des Vereins Schwarze Filmschaffende in Deutschland (SFD), möchte, dass Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien als selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft erscheinen. „Das Selbstbild der Deutschen muss sich ändern.“, meint sie in einem Interview. „Die Deutschen haben von sich das Bild einer monoethnischen deutschen Masse. Die Medien greifen diesen Blickwinkel auf, anstatt ihn über Bord zu werfen und neue Bilder zu präsentieren. Dabei ist Vielfalt schon längst Realität.“ Und „Man sollte darauf verzichten, Menschen mit Migrationshintergrund ständig als Repräsentanten der Anderen und des Fremden zu benutzen, als Symbolträger einer anderen Kultur. Das wäre der erste notwendige Schritt hin zur Differenzierung.“ Mehr hier

 

Feind oder Verräter

Vlademir Putin, auch ein moderner Machiavellist, macht einen feinen Unterschied zwischen Feinden und Verrätern. Aleksei Venediktov, einem der letzten kritischen Journalisten in Moskau, hat er verraten: „Feinde stehen direkt vor dir, du liegst im Krieg mit ihnen, dann vereinbart ihr einen Waffenstillstand und alles ist klar. Ein Verräter muss zerstört werden, zerschmettert.“ Und dann fügte er hinzu: „Weißt du, Aleksei, du bist kein Verräter, du bist ein Feind.“ Was wiederum die Frage aufwirft, was für den russischen „Fürsten“ daraus folgt, denn mit Derrida – siehe unten - wissen wir: „Nur wenige Fürsten sind treu, nur wenige halten sich an die eingegangenen Verpflichtungen und die meisten machen von der List Gebrauch.“ Mehr über Putin & Venediktiov hier 

 

Wahnsinn als List

Jacques Derrida entdeckt in einem nachgelassenen Text macchiavellistische Züge in der amerikanischen Außenpolitik gegen die sog. Schurkenstaaten. Bei der Frage, ob ein Fürst (oder Staat) seine Verträge einhalten soll, bringt der Klassiker u.a. die eigentümliche Natur des Menschen ins Spiel. „Nur wenige Fürsten sind treu, nur wenige sich an die eingegangenen Verpflichtungen halten und die meisten von der List Gebrauch machen.“, fasst Derrida zusammen. „Sie greifen fast immer zur List, wenn es um ihre Verpflichtungen geht. Denn de facto bleibt ihnen gar nichts anderes übrig.“ Um seine Gegner zu beeindrucken, müsse man „vortäuschen, dass man wahnsinnig, verrückt, irrational, also zum Tier werden kann. Es sei ‚schädlich’ (it hurts), uns selbst als zu rational und beherrscht darzustellen. ‚Dagegen ist es für unsere Strategie ,nützlich' (beneficial), gewisse Elemente als ,außer Kontrolle' (out of control) erscheinen zu lassen.’ Diese Fähigkeit zur Täuschung, diese Macht des Scheins soll der Fürst erwerben, um sich mit den Eigenschaften sowohl des Fuchses als auch des Löwen auszustatten.“ So Derrida mit Hinweis auf von Noam Chomsky analysierte US-Strategie-Papiere. Mehr hier

 

Im Test: Einbürgerungstests

Ines Michalowski hat die Einbürgerungstests in Deutschland, den USA und den Niederlanden verglichen und hat einige Unterschiede ausgemacht. Während in Deutschland und den USA vor allem auf Wissen abgestellt wird - Fragen und Antworten sind öffentlich bekannt und können erlernt werden – bezieht der niederländische Test auch kulturbezogene Fragen mit ein. Sowohl die USA als auch die Bundesrepublik haben einen Schwerpunkt auf die Themenbereiche „Politik, Rechtsstaat und Demokratie“ sowie „Geschichte und Landeskunde“ gelegt.“, schreibt Michalowski. "In den USA werden 98 Prozent und in Deutschland 83 Prozent aller Fragen zu diesen Themenkomplexen gestellt. Die Niederlande, lange bekannt als multikulturelles Einwanderungsland mit liberaler Einbürgerungspolitik, haben 2003 einen etwas anderen Weg gewählt. Wer Niederländer werden möchte, muss heute nachweisen, dass er sich den Gepflogenheiten der neuen Heimat anpassen kann. In dem 2003 neu eingeführten Einbürgerungstest wird daher sehr viel Wert auf die Bewältigung des alltäglichen Lebens (50 Prozent) gelegt. Auch Fragen zur Arbeitsmarktintegration und zum Umgang mit wohlfahrtsstaatlichen Leistungen (18 Prozent) spielen eine Rolle. Politik und Landeskunde sind dagegen weniger wichtig als in den USA und in Deutschland. Dafür wird der Umgang mit kulturellen Unterschieden in den Niederlanden direkter angesprochen. .. . Der Zuwanderer soll also wissen, wie er sich in sogenannten ‚wesentlichen Praxissituationen’ richtig verhält.“ Mehr  hier

 

Kulturministerium am Ende

Salvatore Settis, Präsident des Obersten Denkmalrates Italiens und international renommierter italienischer Kunsthistoriker, ist angesichts der Kulturpolitik in seinem Lande „fassungslos“, berichtet Thomas Fitzl: „Die Haushaltskürzungen betreffen sämtliche Ministerien, doch für das Kulturministerium bedeuten sie die faktische Auflösung.“ Insbesondere der Denkmalschutz in Italien sei dadurch in großer Gefahr. Settis „sieht eine zunehmend politische, aber auch juristische Gewichtsverlagerung zugunsten der Kommunen und Regionen, während der Staat sich selbst abzuschaffen scheint. Doch gleichzeitig werden wiederum auch den Regionen und Kommunen die Gelder gekürzt, und ‚diese werden dann zwangsläufig den Kulturbesitz verkaufen, es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Dafür fand man die schöne Formulierung Staatsföderalismus.’“ Mehr  hier

 

Aufbruch von 1968

Alexander Daniel datiert die Geburt der sowjetischen Menschenrechts-bewegung  auf das Jahr 1968. Zahlreiche Sowjetbürger protestierten gegen ein aufsehenerregendes Gerichtsverfahren gegen Aleksandr Ginzburg und drei weitere systemkritische Schriftsteller. Und erstmals wandten sich die Demonstranten mit ihrer Forderung, den politischen Prozess zu verurteilen, an die Weltöffentlichkeit auf. Im Protest entstand die erste Samizdat-Zeitung, und über ihre Verbreitung bildete sich ein Netzwerk von Dissidenten. Daniel: „Bislang waren Protestbekundungen, auch wenn sie für die Veröffentlichung im Ausland geschrieben worden waren, formal immer an die sowjetischen Staats- und Parteiinstanzen adressiert gewesen, an das ZK der KPdSU, das Präsidium des Obersten Sowjet, das Oberste Gericht, die Generalstaatsanwaltschaft oder zumindest an die Pravda oder die Izvestija. Diese formale Adressierung war gewissermaßen die Nabelschnur, welche die Autoren mit dem Sowjetregime verband, ganz nach dem Motto: Nun ja, vereinzelte Rückfälle in den Stalinismus scheinen uns ein politischer Fehler zu sein, der dem Ansehen der Sowjetunion abträglich ist, aber wir sind loyale Sowjetbürger und wenden uns mit unserer Unzufriedenheit nicht sonst wo hin, sondern an die entsprechenden sowjetischen Instanzen ...“ Mit dem Protest am 11. Januar wurden auch die Menschenrechte endgültig zur Richtschnur der Dissidenten. Mehr hier

 

Missverständnis von 1968

Rudi Dutschke befand im Rückblick, dass „das entscheidende Ereignis des Jahres 1968 in Europa nicht Paris war, sondern Prag.“ Und resümierte: „Damals waren wir unfähig, dies zu sehen.“ Die beiden Zitate stammen aus einem Interview, das der Journalist Jacques Rupnik 1978 für die BBC mit Dutschke führte. In der Wiener Zeitschrift transit wurde es jetzt erneut veröffentlicht. Dutschke: „Im Kalten Krieg tendierte die Linke dazu, den Sozialismus mit der Sowjetunion und, in der BRD, mit der DDR zu identifizieren. Das ist der Kontext, in dem die Studentenbewegung der Sechziger Jahre auf den Plan tritt. Ich erinnere mich, dass wir innerhalb des SDS in Bezug auf den Kampf gegen den (amerikanischen) Imperialismus die Mehrheit hatten, nicht jedoch in Bezug auf Osteuropa. Darüber wurde nicht einmal diskutiert. Das galt als sekundär, also ließ man es fallen. Ich erinnere mich, wie nach meiner Rückkehr aus Prag niemand im SDS wirklich begreifen konnte, was ich bezüglich der dortigen Ereignisse zu beschreiben versuchte. Für sie war das ein Problem und ein Vorstoß, der eher auf dem Liberalismus als auf dem Sozialismus beruhte.“ Das ganze Interview finden Sie hier 

 

Kirchturmdenken

Jean-Sebastian Lefebre ist hinsichtlich der Organisation des belgischen Staates mit seinem Latein am Ende: „Neben der föderalen Ebene, gibt es in Belgien eine regionale mit den drei Regionen Flandern, Wallonien und der Hauptstadt Brüssel, sowie eine kommunale Ebene mit den niederländischsprachigen auf der einen Seite und den französisch- und deutschsprachigen auf der anderen. Jeder Bereich verfügt über eigene Kompetenzen. Dabei stellt sich die Frage, wer von dieser Aufteilung eigentlich profitiert. Ganz sicher nicht Brüssel, eine Stadt, die sprachlich gesehen gespalten ist.“ Derweil hat sich Marzena Zuchwicz auf die dunkle Seite der Stadt begeben. Das und mehr im Café Babel finden Sie hier 

 

Segregation, Armut, Mobilität

Heike Hanhörster und Ralf Zimmer-Hegmann haben sich mit der Mobilität von Menschen mit Migrationshintergrund in nordrhein-westfälischen Städten (Bielefeld, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Wuppertal, Monheim) befasst. Der Anlass: die derzeitig auf wissenschaftlicher und politischer Ebene geführte Debatte zur ethnischen Segregation und ihre ambivalente Bewertung. Begriffe wie „Parallelgesellschaft“ und „Ausländerghetto“ führen dabei in die Irre: „Richtig ist und durch verschiedene Untersuchungen belegt ist die räumliche Konzentration bestimmter ethnisch kultureller Gruppen in bestimmten städtischen Teilräumen. Gefährlich ist es hingegen, in einem Atemzug die ethnische Segregation mit einer gar gezielten ‚Abkopplung’ der Gruppe zu verbinden.“ Dagegen gibt es „deutliche Zusammenhänge zwischen ethnischer und sozialer Segregation. In Gebieten mit bestehenden sozialen Problemlagen kam es im letzten Jahrzehnt zu einer Verfestigung der Situation, worauf zunehmende Sozialhilfedichten hinweisen. Darüber hinaus existieren einige Stadtteile, die innerhalb kurzer Zeit einen so ungewöhnlich hohen Anstieg an Armutssegregation erlebt haben, dass die soziale Stabilität dieser Stadtteile gefährdet zu sein scheint. Insgesamt ist in den untersuchten nordrhein-westfälischen Städten eine Auseinanderentwicklung von armen und wohlhabenden Stadtteilen zu beobachten: Die Armutssegregation hat insgesamt zugenommen.“ Die Studie des ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, Dortmund finden Sie hier

 

Debatten am Mittelmeer

Bernard Stiegler, Philosoph und Directeur du département du développement culturel au Centre Georges-Pompidou, Paris wird die Debatten der 16. Generalversammlung von Culture Action Europe eröffnen, die von 23. – 25. Oktober 2008 in Marseille stattfinden wird. Der Kongress wird sich mit zwei Hauptthemen beschäftigen: der auswärtigen Kulturpolitik Europas und der Rolle der Zivilgesellschaft in der Kulturpolitik. Mehr zum Kongress  hier . Mehr zu Culture Action Europe earlier known as EFAH hier[Internal] 

 

Nationale Kontaktpunkte Integration

Wolfgang Schäuble ist als Bundesinnenminister Ansprechpartner für die europäischen Integrationsbemühungen. Zwar fällt die Integrationspolitik in den Kompetenzbereich der Mitgliedstaaten, doch auf europäischer Ebene findet ein regelmäßiger informeller Informations- und Erfahrungsaustausch in der Expertengruppe der "Nationalen Kontaktpunkte Integration" statt. Seit Juni 2007 findet eine engere Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten statt. Ein Ergebnis der Kooperation: das "Handbuch zur Integration" mit Anregungen für politische Diskussionen in Deutschland, denen aber kein unmittelbarer Handlungsbedarf nachgeordnet sei. Die Kommunen wirken grundsätzlich über die Aktivitäten der Bundesländer in der europäischen Integrationspolitik mit, können sich aber auch "anlassbezogen" beteiligen - etwa über den regelmäßigen Dialog mit den kommunalen Spitzenverbänden. Fördergelder aus dem Europäischen Integrationsfonds verteilten sich auf die Bundesländer entsprechend der Zahl der dort lebenden Angehörigen von Nicht-EU-Staaten. Auf Arbeitsebene ist das Referat Grundsatzangelegenheiten der Integration des Bundesinnenmisteriums federführend. Mehr hier . Das „Handbuch zur Integration für Entscheidungsträger und Praktiker“ finden Sie hier .

 

Olympia & Politik

Paul Sims, Ute Andrea Balbier, Wolfgang Kraushaar und Isabel Hilton gehören zu den Autoren des EuroZine-Dossiers „Sport, Politik und Protest“, das das Webmagazin anlässlich der Olympischen Spiele in Peking ins Netz gestellt hat. „Die Olympics 2008 in Peking sind deshalb ungewöhnlich”, heißt es zur Einführung, “weil kein einziges Land die Spiele boykottiert. Und das, obwohl die politische Dimension der Spiele selten so kontrovers diskutiert worden ist.“ Eine Übersicht der Themen und Artikel finden Sie hier 

 

Keine Revolution im Western, keine Reform im Osten

Jirí Dienstbier, Jirí Grusa, Lionel Jospin, Adam Michnik, Oskar Negt und Friedrich Schorlemmer diskutierten fast am Ende des Jubiläumsjahr zur vierzigsten Wiederkehr von „1968“ über die damaligen Ereignisse in Ost und West. Sie waren aufgefordert, den Prager Frühling und die Proteste der Studentenbewegung im Westen in ihren europäischen und globalen Wechselbeziehungen zu betrachten – insbesondere mit Blick auf das epochale Jahr 1989. Fazit: Zwar ist die Welt veränderbar, doch nicht immer in die angestrebte Richtung. Mehr hier 

 

Einwanderungslandkultur

Ilija Trojanow, Schriftsteller (Wien), Prof. Viola B. Georgie, Freie Universität Berlin, Mark Terkessidis, Publizist (Köln/Berlin), Jörg Stüdemann, Kulturdezernent (Dortmund), Helga Trüpel (MdEP), Dejan Perc Serbischer Kulturverein Heiliger Sava (Stuttgart), Tina Jerman EXILE e.V. (Essen), Aytac Eryilmaz DOMiD (Köln), Sibil Ulucan (Mainz), Jean Bizimana, Afrikanischer Elternverein (Aachen) und viele andere gehören zu den Referenten des „2. Bundesfachkongress Interkultur - Kulturelle Vielfalt und Teilhabe“, der von 20. – 22.Oktober 2008 in Nürnberg stattfindet. Der Kongress versteht sich als ein Beitrag zum „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs" und wird sich mit den integrations- und kulturpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre befassen. Die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten und die interkulturelle Öffnung von Institutionen in verschiedenen kommunalen Handlungsfeldern stehen dabei im Mittelpunkt. Ein spezielles Förderprogramm ermöglicht engagierten jungen Mitdenkerinnen und Mitdenkern die kostenlose Teilnahme. Wer zum Thema Einwanderungsland Deutschland mitdiskutieren will, kann sich noch bis zum 15. August bewerben. Das Programm und mehr Infos  hier

 

Europäische Standards erwünscht

Thomas Hammarberg, der Menschenrechtskommissar des Europarats, hat Italien in Sachen Immigartion/Sinti und Roma besucht und die italienische Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Abkehr von ihrer rigiden Einwanderungspolitik aufgerufen. Bereits vor zwei Jahren hatte die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) moniert, dass sich der „rassistische und fremdenfeindliche Diskurs in Italien intensiviert (habe) und vor allem Nicht-Europäer, Roma und Sinti und Muslime im Visier (habe)“. Hammarberg ist besorgt darüber, dass entsprechende Vorfälle andauern, auch wenn das offizielle Italien seine Bereitschaft erklärt hat, die Europäische Menschenrechtskonvention zu achten und ihre Asylpolitik an europäischen Standards zu orientieren. Den vorläufigen Bericht von Menschenrechtskommissar Hamarberg können Sie hier[Internal] nachlesen. Beiträge auf kultur-macht-europa zum Hintergrund finden Sie hier[Internal]

 

Radikale Integration

Fritz Scharpf, langjähriger Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und emeritierter Professor, befürchtet nach mehreren umstrittenen Urteilen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eine "Radikalisierung der Binnenmarktintegration" mit negativen Folgen für die europäischen Sozialstaaten: "Dem EuGH kann die kleinste Belästigung der Ausübung einer Grundfreiheit Anlass sein, um ein wichtiges nationales Rechtsgut auszuhebeln." Als "Grundfreiheiten“ gelten ihm die freie Mobilität von Personen, Kapital und Waren sowie die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit – hiervon ist auch der kulturelle Sektor betroffen. Scharpf beklagt zudem das europäische Demokratiedefizit. Durch die Rechtsinterpretation des EuGH, „die nationale Unterschiede unmöglich macht“, koppelten sich die Europa-Richter zunehmend von den politischen Zielsetzungen der europäischen Integration ab: „Die radikale Liberalisierung ist ein Ergebnis der richterlichen Interpretation der Verträge, nicht ein Ergebnis der politisch verantworteten Gesetzgebung.“ Deshalb sei jetzt die Politik gefragt. Das ganze Interview können Sie hier nachlesen.

 

Missverständnis Identität

Kenan Malik, indisch-britischer Schriftsteller, Lektor und Journalist, beschäftigt sich mit Fragen der Identität und den Ängsten, von der westlichen Kultur vereinnahmt zu werden. Nachvollziehbar, aber unbegründet, findet er, denn der größte westliche Exportschlager ist nicht Disney, Starbucks oder Tom Cruise, sondern die Idee der Existenz von lokalen Kulturen: „Der Begriff wurzelt im Europa des späten 18. Jahrhundert und ist Teil des romantischen Kampfes gegen die Aufklärung. Heute hat er die ganze Welt fest im Griff. Jedes Eiland im Pazifik, jeder Indianerstamm am Amazonas verfügt über eine eigene Kultur und will sie gegen die Ausplünderung durch den westlichen Kulturimperialismus verteidigen. Man muss noch nicht einmal der menschlichen Rasse angehören, um „Kultur“ zu haben. Primatologen erzählen uns, dass auch bestimmte Schimpanzenarten ihre eigene Kultur entwickelt haben. Ohne Zweifel wird bald ein Schimpanse beklagen, dass die Traditionen seiner Art vom Dampfhammer des menschlichen Kultzurimperialismus zermalmt werden könnten. Inzwischen sind wir alle Multikulturalisten, gestehen mittlerweile sogar ehemalige Kritiker dieses Ansatzes zu. Und tatsächlich: wir sind es. Die Feier der kulturellen Vielfalt, der Respekt vor dem Pluralismus, das Bekenntnis zur Berechtigung von Identitätspolitiken – das alles kann als Gütesiegel einer fortschrittlichen, antirassistischen Weltsicht und als Basis moderner liberaler Demokratien angesehen werden.“ Den ganzen Text von Malik finden Sie hier

 

Europa, Europarat & Europäische Union

Andreas Wiesand, Direktor des Europäischen Instituts für vergleichende Kulturforschung (ERICarts) und dessen Forschungskoordinatorin Danielle Cliche finden in zwei Berichten der Bundesregierung über das Verhältnis zwischen dem Europarat und der Europäischen Union ebenso Erwähnung wie Dick Marty. Letzterer als Berichterstatter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, der sich mit dem Vorwurf, die USA hätten in Polen und Rumänien Geheimgefängnisse unterhalten. Erstere wegen der von ihnen betreuten Berichte über die Rahmenbedingungen der nationalen Kulturpolitiken in Europa. Die beiden Berichte finden Sie hier hier und hier . Die von Wiesand/Cliche betreute Sammlung zu den europäischen Kulturpolitiken hier .

 

Europa neu denken

Ralf Dahrendorf, u.a. EU-Kommissar a.D., will Europa nach dem irischen Nein völlig neu denken. Die „Kernfrage“ lässt sich aus seiner Sicht nicht durch „mehr Demokratie wagen“ und „ein gesamteuropäisches Referendum beheben“: „Die Kernfrage ist nicht die Lücke zwischen der EU und ihren Bürgern, sondern die zwischen Europa und Brüssel. Die Hoffnungen, die viele Europäer mit dem gemeinsamen Handeln der demokratischen Staaten dieses alten Kontinents nach wie vor verbinden, werden durch die Realitäten der Europäischen Union nicht erfüllt.“ Man müsse sich von der sog. Sachlogik à la Monnet und Hallstein verabschieden und „jedenfalls noch einmal zu den Grundfragen zurückkehren: Wie kann Europa Frieden und Freiheit für seine Bürger im Lichte alter wie neuer Bedrohungen sichern? Das ist die irische Frage, die Frage also, die die Bürger Europas stellen. Die Antwort wird nicht leicht zu finden sein, doch ist sie des Schweißes der Edlen wert. Nachzudenken ist nicht über krampfhafte Versuche, aus Brüssel doch noch Europa zu machen, sondern über einen neuen Ansatz. Man könnte vielleicht von einem Bund europäischer Demokratien sprechen, wenn das Wort 'Bund' sich übersetzen ließe in die anderen Sprachen. Dabei geht es um die Haltung zu den großen Fragen von Frieden und Freiheit." Seine Überlegungen sind  hier  nachzulesen. Das irische Nein hat auch Jürgen Habermas zum Anlass genommen, erneut über die demokratischen Rahmenbedingungen der EU nachzudenken. Sein Essay „Ein Lob der Iren“ finden Sie hier

 

Relaunch

GiannaLia Cogliandro (European Network of Cultural Administration Training Centres ENCATC) hat das offizielle Relaunch der Website ihrer Organisation verkündet. Der Grund: seit seiner Gründung vor zwei Jahren ist ENTATC ständig gewachsen und dabei seine Aufgaben wie die Angebotspalette neu aufgestellt. Es ist das einzige europäische Netzwerk, das Universitäten, Fachhochschulen und Weiterbildungseinrichtungen, die sich mit dem Bereich Kulturmanagement befassen, zusammenbringt. Seit 2004 vergibt es auch zusammen mit Partnern den Cultural Policy Research Award (CPRA). Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird für herausragende Arbeiten im Bereich der Kulturpolitik an "young academics, researchers and policymakers aged 35 or under„ vergeben - zuletzt auf dem Bundeskongress kultur-macht-europa. Die Website finden Sie hier

 

Wandel durch Kulturwirtschaft

Christa Thoben, NRW-Wirtschaftsministerin, betonte in Brüssel die Vorreiterrolle des Landes Nordrhein-Westfalen im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft: „Kein anderes Land in Deutschland und Europa hat eine so lange Tradition in der Erforschung und Förderung dieses Wirtschaftssektors.“ Anlässlich der „Europäischen Jahrestagung Kultur- und Kreativwirtschaft“ in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen überreichte sie Dr. Peter Dröll, Abteilungsleiter „Innovationspolitik“ der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission die „Essener Erklärung 2007“. Die Essener Erklärung fasst die Ergebnisse des vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen veranstalteten internationalen Kongresses „Wandel durch Kulturwirtschaft – Perspektiven einer Zukunftsbranche“ vom 17./18. September 2007 in 10 Leitsätzen zusammen. Sie baut auf dem in NRW veranstalteten internationalen Fachkongress von 1999 auf, der im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft stattfand und dessen Ergebnisse Eingang in die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU-Kommission gefunden haben.

Auch nach Ansicht von Dieter Gorny muss die „Kultur- und Kreativwirtschaft eine größere Rolle im Rahmen der Lissabon-Strategie der EU spielen“. Der Direktor für das Themenfeld Kreativwirtschaft der RUHR.2010 GmbH, will die Metropole Ruhr zu einer neuen kreativen Metropole Europas umbauen und das Erleben von Kreativwirtschaft „hautnah“ möglich machen: „in der größten Clubszene Europas, auf dem Living Games-Festival oder bei der Verleihung des Deutschen Entwicklerpreises.“ Die „Essener Erklärung“ im Wortlaut finden Sie hier   

 

Käse, Würmer und andere Geschichten

Carlo Ginzberg, herausragender italienischer Historiker, erhält den mit 60.000 Euro dotierten Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Als Mitbegründer der „Mikrogeschichte“ hat er geholfen, die europäische Geschichte neu zu schreiben. Stets erforschte er mit detektivischem Spürsinn die Quellen, Spuren und Bilder der Geschichte, eagl ob es um Ob es um das Weltbild eines ketzerischen Müllers um 1600 ging, erkenntnistheoretische Fragen der historischen Perspektivik oder die Interpretation von Picassos "Guernica". Sein Werk wurde bislang in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt. Ginzberg war in Rom, Bologna, Lecce und an der University of California (UCLA) tätig. Seit 2006 ist  er Professor für Europäische Kulturgeschichte an der Scuola Normale Superiore in Pisa. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. Titel wie „Hexensabbat. Entzifferung einer nächtlichen Geschichte“ (Berlin 2005), „Das Schwert und die Glühbirne“ (Frankfurt/ M. 1999); „Spurensicherung. Die Wissenschaft auf der Suche nach sich selbst“ (Berlin 1995) und „Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600“ (Berlin 1993). Ginzburg wird die Dotation die Mittel des Forschungspreises nutzen, um in Berlin an seinem Buch zur Reproduktion im Mittelalter zu arbeiten. Thema: Analogien von (biologischer) Reproduktion und der Vervielfältigung von Dingen. Mehr hier

 

Exklusion/Inklusion

Andrea Pingel, Referentin des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit, sieht die Bundesregierung in krassem Widerspruch zu Europa, wenn es um bildungspolitische Chancengleichheit geht. Im Gegensatz zum Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zielten die deutschen Bemühungen nicht auf die Durchlässigkeit und die Anerkennung der Gleichwertigkeit unterschiedlicher Bildungswege. Sie könnten so aus Sicht des Kooperationsverbundes keinen Beitrag zu einem gerechteren Bildungssystem leisten. Der anstehende Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) soll die europäischen Bestimmungen in die nationalen Rahmenbedingungen übersetzen: „Das Besondere des europäischen Ansatzes ist es, dass alle erworbenen und nachweisbaren Kompetenzen anerkannt werden können, und zwar unabhängig davon, ob sie in Bildungsinstitutionen, im Prozess der Arbeit, im sozialen Umfeld, in allgemeiner oder beruflicher Bildung oder durch Erfahrung erworben wurden. Das heißt, dass dabei auch Kompetenzen erfasst und anerkannt werden, die junge Menschen auf informellem und nonformalem Weg erworben haben. Gleichzeitig sind die Stufen des EQR durchlässig. Der Europäische Qualifikationsrahmen steht damit explizit im Kontext des lebenslangen Lernens und bietet eine neue gesamteuropäsche Perspektive für Aus-, Fort- und Weiterbildung. „Bildung“ soll dabei nicht auf ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit reduziert, sondern auch in ihrer sozialen und integrativen Bedeutung anerkannt und gestärkt werden.“ Mehr hier

 

Migranten-Bildung

Jan Figel, als EU-Kommissar nicht nur für Kultur, sondern auch für Bildung zuständig, sorgt sich um die Integration von Migranten-Kindern. Nach einer europaweiten Bestandsaufnahme der Kommission erfahren sie eine deutlich schlechtere Ausbildung als ihre Altersgenossen. „Migrantenkinder werden zudem häufig in Schulen konzentriert“, so das Paper, „die de facto vom Mainstream des Erziehungswesens getrennt sind und sie so in eine Abwärtsspirale führt, was wiederum zu einem häufigen Lehrerwechsel führt.“ Für Figel ist Bildung aber eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Integration, die aufgezeigte schulische Entwicklung führe aber zwangsläufig zur „Desintegartion“: Figel: „Wir sprechen hier von Integration, die die Fähigkeiten der Migrantenkinder stärken und befördern würde. Was nicht bedeutet, dass sie ihre Identität verlieren würden, wenn sie auf der Basis der Gleichheit einbezogen werden.“ Mehr hier

 

Lebensmittel

Jean Ziegler, Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung, sorgt sich um die kulturelle und soziale Vielfalt auf dem afrikanischen Kontinent. Eine der Ursachen für die dortige Armut, die grassierenden Hungerkatastrophen und die damit zusammenhängende Migration ist aus seiner Sicht die europäische Agrarpolitik. „Um Europa gegen die Migranten zu verteidigen, hat die EU Frontex aufgebaut“, schreibt Ziegler. „Die Organisation verfügt über schnelle (und bewaffnete) und hochseetüchtige Abfangboote, über Kampfhubschrauber, über eine Flotte von Überwachungsflugzeugen mit hochsensiblen Kameras und Nachtsichtgeräten, über Radar, Satelliten und modernes Gerät zur elektronischen Distanzüberwachung.“ Frontex unterhalte „auch ‚Auffanglager’ auf afrikanischem Boden, wo Hungerflüchtlinge festgehalten werden. Angesichts der großzügigen Frontex-Gelder verweigern nur wenige afrikanische Regierungen die Einrichtung solcher Lager auf ihrem Territorium.“ Zugleich subventionieren die industrialisierten Staaten der OECD ihre Bauern und Viehzüchtern mit mehr als 350 Milliarden Dollar jährlich (2006). Ziegler: „Besonders zynisch ist das Agrardumping, das die EU praktiziert. Es führt zur systematischen Vernichtung des afrikanischen Nahrungsmittelanbaus. Das ist zum Beispiel in Sandaga, dem größten Konsumgütermarkt Westafrikas zu besichtigen. Auf diesem lauten, farbigen, duftenden Markt im Herzen von Dakar kann man heute unter anderem Obst und Gemüse aus Portugal, Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland kaufen, zu einem Drittel oder der Hälfte des Preises der einheimischen Produkte. Und nur ein paar Kilometer weiter arbeitet ein Bauer in der sengenden Sonne samt Frau und Kindern bis zu 15 Stunden pro Tag, aber sie haben keine Chance, das Lebensnotwendigste zu erwirtschaften.“ Den ganzen Text von Jean Ziegler und mehr Informationen zur weltweiten Lebensmittelkrise hier . Auch der Deutsche Bundestag ist auf das Thema aufmerkam geworden. Mehr hier 

 

Zynische Medienethik

Lukas Podolski, deutscher Fußball-Nationalspieler mit polnischen Wurzeln, sorgt im nationalistischen Lager in Polen für Unmut. Wegen seiner beiden Tore im EM-Spiel Deutschland – Polen verlangt Miroslaw Orzechowski, Chef der national-katholischen Partei "Liga polnischer Familien" (LPR), seine Ausbürgerung. Die Partei ist auch wegen ihrer antisemitischen Hetze bekannt und war lange Zeit Koalitionspartner der Kaczynski-Brüder. Orzechowski setzt damit auf seine Weise eine Medienkampagne fort, die zuvor bereits für Aufsehen sorgte und in deren Zentrum der Axel Springer Verlag steht. In seinen Boulevardblättern BILD (Deutschland) und Fakt (Polen) pflegt das konservative Verlagshaus einen chauvinistische Boulevard-Nationalismus. Grenzüberschreitend spielt man sich dabei die Bälle zu. Während das polnische Organ gegen Deutschland hetzte, schoß BILD im Gegenzug gegen Polen. Der Journalist Wolfgang Lieb in einer kritischen Zusammenfassung: „Am 5. Juni 08 macht Bild mit folgender Balkenüberschrift auf: ‚EM-Krieg gegen uns’. Abgedruckt wird dabei u.a. auch eine Fotomontage mit dem Kapitän des deutschen Fußballteams Michael Ballack, ausstaffiert mit Pickelhaube und einem Umhang der Kreuzritter. Dahinter schwingt der Trainer der polnischen Fußballnationalmannschaft Leo Beenhakker drohend ein Schwert. „Leo, mach’s wie in Grunwald!”, lautete die Schlagzeile. Grunwald steht für den polnisch-litauischen Sieg bei der Schlacht gegen den Deutschen Orden im Jahr 1410 - im kollektiven Gedächtnis der Polen ein historischer Triumph gegen den mächtigen und deshalb ungeliebten deutschen Nachbarn. Die Boulevardzeitung „Fakt“ ist mit einer Auflage von über 500.000 die größte polnische Tageszeitung und sie gehört genauso zum Springer-Verlag wie „Bild“. Um so perfider ist es, dass sich Springers deutsches Pendant „Bild“ zu Springer Polskas „Fakt“ in die Pose des Angegriffenen wirft und auf diese Karikatur antwortet: ‚EM-Krieg gegen uns’. Völlig geschichtsvergessen schiebt ‚Bild’ noch die weitere Schlagzeile nach: ‚Polen eröffnen Fußball-Krieg’.“. Während sich Lieb noch fragt, wer die Verantwortung für solche Texte trägt, hat der Dichter Rainald Goetz zuvor in seinem Blog schon die Antwort gegeben: „Das wirklich Scheußliche an Springer ist nicht die Ordinärheit der Bild-Zeitung, mit der sie ihr Schmutzgeld verdienen, sondern POTSDAM, die Flucht aus dem geistigen Elend Proletariens, das Bild täglich befördert und ausbeutet, hinaus ans Ufer des, ja klar: HEILIGEN Sees, wo Springerchef Döpfner und seine Chefin in ihren lächerlichen VILLEN ihre Kultiviertheit, ihr Neobürgertum zu kultivieren versuchen, und sich für diesen Widerspruch natürlich keineswegs schämen, sondern auch noch gesellschaftliche, ja sogar intellektuelle Anerkennung dafür beanspruchen wollen, dass der Bilddreck so erfolgreich ist, dass er Potsdam finanziert, das ist der Irrsinn Springer. Unter jeder Gemeinheit, die Bild druckt, steht ja ganz groß der Name: Dr. M.O.C. Döpfner, Potsdam, und jeder Sexschund in Bild ist letztlich gewollt von Frau Friede Springer, Potsdam. Wenn sie eine weniger grunzende und schmatzende Zeitung wollen würden, müssten sie ja nur ihren Lakai Diekmann, ebenfalls Potsdam, informieren und anordnen: mach mal eine bessere Zeitung. Das tun sie aber nicht. Sie wollen Bild genau so, wie es ist.“ Zu den offiziellen Springer-Zielen gehört übrigens „die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas“.    Den Beitrag von Wolfgang Lieb finden Sie hier  - die Betrachtungen 4.53 von Rainald Goetz "EVIL: does it exist – or do bad things just happen?" hier - zum Gegenlesen und Abgleich die „Werte und Leitlinien der Axel Springer AG“ hier  

 

Politische Kultur und interkultureller Dialog

Karin Priester nimmt den Wahlsieg von Silvio Berlusconi in Italien zum Anlass, sich mit den rechtsradikalen Kräften zu befassen, „die im außer- und antiparlamentarischen Vorfeld operieren. Denn im Gegensatz zur Bundesrepublik gibt es in Italien eine vitale radikale, auch intellektuelle Rechte, mit durchaus fließenden Grenzen auch zur radikalen Linken. Indem die radikale Rechte frühzeitig auch die soziale Frage thematisierte, fungierte sie immer wieder als Ideengeber für die parlamentarische Rechte – insbesondere bei der Herstellung identitärer Verbindung zwischen Volk und Führung.“ Sie bilanziert: „Insgesamt hat die radikale Rechte in Italien seit 1945 einen weiten Weg zurückgelegt. Aus ehemaligen Terroristen sind "Papisten", aus Ultranationalisten glühende Verfechter Europas vom Atlantik bis Wladiwostok geworden. Der Feind aber ist nach wie vor derselbe: die "plutokratische Herrschaft des Wuchers". Strategisch ist der Terror in den Hintergrund getreten; die "direkte Aktion" verlagert sich in die Fußballstadien. Zwischen gewaltbereiten Fußballfans, frustrierten Kleinbürgern, Subproletariat oder Prekariat, Globalisierungsgegnern, Anhängern der "Zweiten Welle" oder des "Dritten Weges", zwischen Klerikalfaschismus und nationalem Sozialismus, Nationalbolschewismus und Okkultismus, elitärem Orden oder losen Ideenlaboratorien pflegt die italienische Rechte noch den Narzissmus von Kleingruppenidentitäten.“ Die ganze Analyse hier

 

Antisemitismus in Polen

Tomasz Wolek beschäftigt sich mit der „jüdischen Frage“ in Polen. Ihre Anfänge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück und sind so eng mit der Geschichte des späteren polnischen Staatswesens auf engste verwoben. Damals spielten das Erstarken des Bürgertums in Westeuropa ebenso eine Rolle wie der mit den Kreuzzügen einhergehende religiöse Fanatismus eine Rolle. Heute spielt der Antisemitismus immer noch eine Rolle, trotz aller Dementis werden auch weite Teile der Katholischen Kirche davon beherrscht. Wolek folgert: „Wenn Antisemitismus eine Art ansteckende Krankheit ist, dann muss sie behandelt werden. Doch jeder Therapie muss eine zutreffende Diagnose vorausgehen. Deshalb sollte man diesem schändlichen Phänomen immer wieder auf den Grund gehen, seinen Kern erkennen und zu seinen historischen Quellen vorstoßen.“ Auf Deutsch ist der ganze Artikel nachzulesen, weil das Warschauer Wochenmagazin Polityka neuerdings ausgewählte Artikel ins Deutsche übersetzen lässt und ins Netz stellt. Mehr hier

 

Frauen vorn

Tom Chatfield, Redakteur des britischen Nachrichtenmagazins Prospect hat in seiner Zeitschrift aktuelle Fakten zum Thema Video- oder auch Computerspiele zusammen getragen. Sein Resümee ist für Bedenkenträger und Jugendschützer wenig ermutigend: „Die Komplexität von Spielen wie World of Warcraft ist nicht der einzige Aspekt, der den gängigen Klischees widerspricht. Auch die demografischen Daten haben sich verändert: Während das Videospielen früher unter männlichen Jugendlichen am verbreitetsten war, findet man zusehends Spieler in allen Altersgruppen und unter beiden Geschlechtern... Der durchschnittliche Videospieler ist heute fünfunddreißig Jahre alt und spielt seit zwölf Jahren, während der Durchschnittskäufer vierzig ist. Außerdem sind vierzig Prozent aller Spieler Frauen, wobei Frauen über achtzehn einen viel größeren Anteil an der videospielenden Bevölkerung stellen (nämlich dreiunddreißig Prozent) als männliche Jugendliche unter achtzehn (achtzehn Prozent).“ (Übersetzung: Perlentaucher) Zwar beziehen sich diese Zahlen nur auf Großbritannien, doch ist der Trend auch in den Länders Kontinentaleuropas festzustellen. Chatfield prognostiziert: „Within the virtual worlds we have begun to construct, players can experience the kind of deep, lasting satisfactions that only come from the performance of a complex, sociable and challenging task. Yet such satisfactions will always remain, in a crucial sense, unreal. Whatever skills it teaches and friendships it creates, an eight-hour World of Warcraft session is nevertheless solipsistic like few other activities. Is a descent into precision-engineered narcissism on the cards? I believe not: the ways we are already making and playing games show that to be human is to demand more than this. But the doomsayers are right in one important respect. If we do not learn to balance the new worlds we are building with our living culture, we may lose something of ourselves.” Mehr hier

 

Nachzählen

Thomas Speckmann lässt uns hoffen. Seiner Ansicht nach sind Demokratien einfach nicht in der Lage, erfolgreich Angriffskriege zu führen. Aktuelles Beispiel: der Irak-Krieg der USA und ihrer willigen Verbündeten. Das „Konzept einer globalen Vorwärtsverteidigung“ habe sich „an der Heimatfront nicht bewährt. Fünf Jahre nach dem Marsch auf Bagdad glauben zwei Drittel der Amerikaner, dass der von ihrer Regierung als Präventivkrieg gerechtfertigte Feldzug gegen das irakische Baath-Regime keine weise Entscheidung war.“ Tatsächlich gibt es gute Gründe für diese späte Einsicht: Von den stetig steigenden Gefallenen- und Verwundetenzahlen einmal abgesehen, hat Joseph Stiglitz vorgerechnet, wie teuer das amerikanische Volk auch ökonomisch für den Dritten Golfkrieg bezahlen wird.“ Während Bush Senior noch seine Allierten für 80 Prozent der Kosten „seines“ Golfkriegs aufkommen ließ – u.a. zahlte die deutsche Bundesregierung unter Helmut Kohl – muss jetzt der amerikanische Steuerzahler fast alleine für die seit 2003 aufgewendeten bis zu fünf Billionen Dollar aufkommen. Argumente findet Speckmann auch in der europäischen Frühgeschichte: „Die Amerikaner haben ihre Verteidigungskriege wie den Ersten und den Zweiten Weltkrieg und auch den Koreakrieg immer noch als »gute« Kriege in kollektiver Erinnerung, Angriffs- und Interventionskriege wie Vietnam, Irak und Afghanistan hingegen zunehmend als »schlechte« Kriege. Und nicht zufällig findet sich bereits in Thukydides’ Geschichte des Peloponnesischen Krieges der Gedanke des vorbeugenden Schlages gegen einen mächtiger werdenden Feind nicht bei den demokratischen Athenern, sondern bei den autokratischen Spartanern. Aber nicht Sparta, sondern Athen hat mit seinen Ideen die Welt erobert und geprägt bis heute.“ Den ganzen Text finden Sie hier

 

Venedig sehen und ....

Joschka Fischer sah Venedig und dachte über das Ende von Europa nach: „Wird Europa ein ähnliches Schicksal wie einst die Republik Venedig ereilen? Eine große und stolze Vergangenheit, ein weltweiter Tourismusmagnet, aber ohne Zukunft?“ Die dunklen Wolken über dem Mittelmeer können nur die Iren hinweg zaubern. Denn wenn eine Mehrheit von ihnen „dem Reformvertrag (von Lissabon) zustimmt, wird sich Europa unverzüglich daran machen können, seine Zukunft zu bauen und zum Subjekt statt zum Objekt der entstehenden Neuen Weltordnung zu werden. Europas Schicksal wird gerade entschieden – und die Europäer jenseits der Insel nehmen dies kaum zur Kenntnis.“ Die Aufmunterung als ganzes hier

 

Eine Milliarde

Ahmed Djoghlaf, der Sekretär der Konvention über die biologische Vielfalt, hat die Erarbeitung einer „universellen Erklärung für die Natur“ angekündigt, für die man bis 2010 weltweit insgesamt eine Milliarde Unterschriften sammeln wolle. Damit soll nicht nur in den bisher 191 Unterzeichnerstaaten der UN-Konvention zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf die Bedeutung des Vertrages hingewiesen werden. Mehr hier

 

Wetterhexen

Wolfgang Behringer gilt nach zahlreichen Veröffentlichungen als einer der europäischen Experten zum Thema „Hexenverfolgung“. Bei seinen Forschungen stieß er dabei auf einen engen Zusammenhang zwischen der Jagd auf Hexen und „Wucherer“ und dem sich wandelnden Klima: „Die Sonne zeigte sich nicht, der Dauerregen ließ Ähren auf dem Feld faulen. Es folgten extrem kalte und lange Winter.“ Die daraus resultierenden sozialen Spannungen entluden sich schließlich in der Suche nach Sündenböcken, so der Historiker: „Der Versuch, die Verantwortlichen, die Schuldigen, die Klimasünder ausfindig zu machen, die Annahme also, dass das Klima letztlich Menschenwerk und dessen Schuld ist, geht zurück bis in die frühen Hochkulturen.“ Ein Gespräch mit Behringer im dradio kultur über „Wenn das Klima Geschichte schreibt“ (Audio-On-Demand) finden Sie hier , ein gedruckten Beitrag steht hier

 

Sprachenvielfalt

Abdou Diouf, Generalsekretär der Organisation Internationale de la Francophonie (OIF), beklagt erneut dem Rückgang der europäischen Sprachvielfalt. Er führt diese Entwicklung auf eine „unausgewogene und gleichbleibende Globalisierung“ zurück, in der nicht ausreichend Aufmerksamkeit für die kulturelle und sprachliche Vielfalt gelegt werden. Diouf kritisiert insbesondere die Tendenz in der Geschäftswelt, sich vor allem der englischen Sprache zu bedienen und sich dabei in Richtung „sprachlicher Uniformität“ zu bewegen. Dagegen plädiert er, sich nicht nur „für eine einzige Sprache einzusetzen, sondern die Förderung und Unterstützung des Prinzips der sprachlichen Vielfalt und das Vorhandensein mehrerer Sprachen im Herzen der Europäischen Union“ voranzutreiben. Im Rahmen der EU dominieren nach wie vor unangefochten Englisch und Französisch. Dazu (oder dagegen) will die EU-Kommission eine neue „Strategie für Mehrsprachigkeit“ im September vorlegen. Zugleich reorganisieren die EU-Institutionen derzeit ihre Übersetzungs- und Dolmetschungssysteme. Das Interview mit Abdou Diouf finden Sie hier - selbstverständlich auf Französisch.

 

Zweisprachigkeit

Rita Süssmuth, Ex-Ministerin, Ex-Präsidentin des Deutschen Bundestages und immer noch aktive Frauenpolitikerin, hält „Bikulturalität und Bilingualität grundsätzlich für wertvolle Ressourcen, die entwickelt und gefördert werden sollten.“ Deshalb hat sie auch nichts gegen ein Angebot in deutschen Schulen, das Kindern aus türkischen Familien die Möglichkeit bietet, ihre „erste Muttersprache“ Türkisch fundiert zu lernen: „Aber“, so Süssmuth, „entscheidend ist für die in Deutschland lebenden Migranten die Kenntnis der deutschen Sprache.“

 

Nationale Wettgefühle

Sebastian Braun und Michael Kvasnicka haben sich im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft mit Fußballwetten befasst und dabei festgestellt, dass das Nationalgefühl in vielen europäischen Ländern für systematische Verzerrungen der von den Buchmachern auf den Sieg der eigenen Nationalmannschaft angebotenen Wettquoten sorgt. Demnach werden in Bulgarien und Dänemark in Heim- und in Auswärtsspielen die Siegchancen der eigenen Nationalmannschaft im Durchschnitt höher angesetzt als in anderen Ländern. In Deutschland, England, Tschechien und den Niederlanden gibt es hingegen keine Hinweise für eine unterschiedliche Bewertung der eigenen Nationalmannschaft, was wiederum für ein Plus beim Fußballverstand sprechen könnte. Nach Ansicht der Wissenschaftler lassen sich aus den nationalen Vorlieben allerdings keine Wettstrategien entwickeln. Die asiatische Wettmafia, die umsatzmäßig das Wettgeschäft wettweit dominieren soll, wird kaum kümmern. Die Untersuchung des RWI Essen und der Humboldt-Universität zu Berlin finden Sie hier

 

Volkes Stimmen

Dominik Hierlemann und Christian Heydecker finden, ein "Nein" der irischen Bevölkerung beim bevorstehenden Referendum zum EU-Verfassungsvertrag von Lissabon am 12. Juni wäre schlichtweg eine "Katastrophe für Europa". Um keinen Zweifel an einem positiven Ergebnis aufkommen zu lassen, so ihre Studie für die deutsche Bertelsmann Stiftung, habe die europäische Politik bislang vermieden, über alternative Optionen im Falle einer negativen Mehrheitsentscheidung zu sprechen. Aber alle denkbaren politischen Alternativen wären ein schwerer Rückschlag für den europäischen Verfassungsvertrag und die Zukunft der EU. In den bisherigen fünf Volksabstimmungen zu Europa haben die Iren viermal mit ja gestimmt, aber beim letzten Mal den Vertrag von Nizza abgelehnt. Mehr hier

 

Kein Wasser in Stoliponowo

Nikoleta Popkostadinova hat die „Dritte Welt“ gefunden. Sie liegt in Faculteta, einem Stadtteil der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Dort ist das Roma-Ghetto von Sofia: „Der Asphaltbelag auf den Straßen ist nur noch eine Erinnerung. Entlang der engen Straßen stehen elende Behausungen, zusammengeschustert aus Lehm und zufälligen Ziegelbrocken, dicht an dicht. In offenen Abwassergräben fließt eine zähe stinkende Pampe. Wer hier mit wem verwandt ist, kann man an den illegalen Stromleitungen ablesen, die sich von einer Hütte zur nächsten ziehen. Was man gemeinhin als "Infrastruktur" bezeichnet, ist von dieser Siedlung so weit entfernt wie "Astrophysik". Und "Stadtverwaltung" ist ein Schimpfwort.“ Mehr hier

 

Lachen ohne Grenzen

Rainald Grebe, Ludwig Müller und Franz Hohler sorgen sich seit Jahren über alle Landesgrenzen hinweg um den deutschsprachigen Humor und erhalten in diesem Jahr deshalb den Salzburger Stier – in Düsseldorf. Der renommierte europäische Radio-Kabarett-Preis wird heuer bereits zum 27. Mail vergeben. Grebe, gerne als „Urenkel des Dadaismus“ beschrieben wird für sein „Robinson Crusoe Konzert“ ausgezeichnet, der Wiener Müller für sein „Total brachial“ gelobt. Hohler erhält den Ehrenstier für sein Lebenswerk. Getreu dem Motto "Kein Stier ohne Europa" widmet sich der WDR aus diesem Anlass im Monat Mai eine Woche lang dem Thema "Europäischer Humor". Mehr hier hier

 

Ausnahmezustand

Uwe Volkmann fragt sich, welche Grenzen das Recht setzt, denn Not kennt viele Gebote: „Seit es das Recht gibt, ist es mit der Frage konfrontiert, wo seine Grenzen liegen und ob es Bereiche gibt, die man besser nicht rechtlich regelt oder vielleicht auch gar nicht regeln kann. Sie tritt in unseren Tagen wieder hervor in einem Gegensatz, den man an sich schon erledigt glaubte und deshalb als "klassischen" Gegensatz bereits zu den Akten gelegt hat. Dies ist der Gegensatz von Rechtsstaat und Ausnahmezustand.“ Mehr hier

 

Odyssee Europa

Homer gilt als griechische Dichterlegende und als Mann voller Geheimnisse. Was weiß man wirklich von ihm, hat sich vor kurzem Raoul Schrott gefragt und dazu ein heiß diskutiertes Buch veröffentlicht. Jetzt soll der alte Grieche und sein Werk für Ruhr 2010 in Dienst genommen werden. Sechs europäische Autoren sollen unter dem Motto „Odyssee Europa“ eines der wichtigsten Kooperationsprojekte zur Kulturhauptstadt Europas umsetzen. Ihre Stücke sollen an sechs Schauspielhäusern in Bochum, Dortmund, Essen, Moers, Mülheim und Oberhausen uraufgeführt werden. Mehr zur Kulturhauptstadt 2010  hier . Raoul Schrott enthüllt „Homers Geheimnis“ hier 

 

Unterwegs mit HALMA

Urs Faes (Schweiz), Daniel Goetsch (Schweiz), Fatos Kongoli (Albanien), Filipa Melo (Portugal) und Annette Mingels (Schweiz) sind die ersten Stipendiaten von HALMA. Das Netzwerk organisiert deren Besuch in mindestens zwei Gastländern für die Dauer von zwei Monaten. Das Ziel: ein Forum grenzüberschreitender Begegnungen und die Förderung von Dialog und Austausch zwischen unterschiedlichen Regionen ermöglichen. Ihre Reiseerfahrungen werden die Stipendiaten später in der "Bibliothek" der HALMA-Website veröffentlichen. Zu HALMA gehören derzeit 19 literarische Einrichtungen aus 13 europäischen Ländern: Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Griechenland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Serbien, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Es wurde 2006 vom Literarischen Colloquium Berlin gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung (Deutschland) und der Stiftung Borderland aus Sejny (Polen) gegründet. Mehr hier

 

Nationale Erinnerung

Martina Baleva und ihr Kollege Ulf Brunnbauer sind in Bulgarien seit längerem einer Hetzkampagne nationalistischer Gruppierungen ausgesetzt. Zuletzt strahlte der Sender Skat TV monatelang einen Spot aus, in dem mehr als 1.000 Euro für ein Foto und die Adresse der Kunsthistorikerin geboten wurden. Der Grund für die Verfolgung: die beiden Berliner Wissenschaftler forschen über antiislamische Stereotype und haben sich dabei auch mit einem Bild des polnischen Malers Antoni Piotrowski befasst, das das Massaker von Muslimen an der Bevölkerung von Batak im Jahr 1876 darstellt. Brunnbauer: "Wir haben niemals die Existenz des Massakers infrage gestellt.“ Intendiert war die Diskussion über die inszenierte Darstellung des Mordes an der Zivilbevölkerung und die nationalistische Deutung des Ereignisses als Gründungsmythos der bulgarischen Nation. Bereits im Juni vergangenen Jahres legte Frau Baleva beim bulgarischen Medienrat Beschwerde gegen Skat TV ein - erst nach mehr als einem halben Jahr erhielt sie die Antwort. Die Medienwächter fanden alles o.k. Inzwischen hat Franco Frattini, der scheidende Vize-Präsident der EU-Kommission, Bulgarien daran erinnert, dass das Land die EU-Fernsehrichtlinie unterzeichnet habe. Danach dürfen Medienberichte nicht zu Hass aufstacheln. Zum Hintergrund

 

Fußball undercover

Dietrich Leder, Medientheoretiker und Professor für Fernsehkultur, fürchtet sich vor den Fernsehübertragungen der Fußball-Europameisterschaft, wenn er an die Qualität früherer Sportevents denkt: „Das Gehabe und Gewese von ZDF-Moderator Johannes B. Kerner nebst seinen Adlaten Klopp und Meier sowie der wenig präzise Kommentar von Béla Réthy lassen Schlimmes für die anstehende Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich erahnen.“ Stattdessen empfiehlt er die Fußballfilme der Regisseurin Aysun Bademsoy. Ihr neuester kommt unter dem Titel „Football Under Cover“ gerade in deutsche Kinos – Co-Autor ist hier David Assmann. Inhalt des Doku-Streifens: die schließlich doch noch gelingende Begegnung zwischen einem Berliner Frauenfußballteam und der iranischen Frauenfußball-Nationalelf in Teheran. Schon 1995 erzählte Bademsoy mit „Mädchen am Ball“ die Geschichte des Frauenfußballteams des BSC Agrispor aus Berlin. In „Nach dem Spiel“ (1997) erkundete die Regisseurin für das ZDF, wie es mit den jungen Frauen weitergegangen ist. Deutlich werden dabei auch die sozialen und kulturellen Konflikte, die die sportliche Betätigung für die jungen Frauen und Mädchen mit sich brachte. Und. Über die drei Filme hinweg tauchen einige Protagonistinnen immer wieder auf – sie sind am Ball geblieben. Der Text von Dietrich Leder in der Funkkorrespondenz hier .

Dietrich Leder auf kultur-macht-europa hier[Internal] 

 

Linz-Rock

Hubert von Goisern, österreichischer Rock- und Folkmusiker, geht als Botschafter der österreichischen Stadt Linz - Europas Kulturhauptstadt 2009 - auf Europa-Tour. Mit einem Schiffsverbund quert zahlreiche europäische Wasserwege. Nach einer Fahrt auf der Donau bis zum Schwarzen Meer in 2007 geht es 2008 in Richtung Nordsee. Auf seiner Schiffsreise über den Rhein, Neckar und anderen Wasserwege legt er unter anderem in Nürnberg, Stuttgart, Koblenz, Köln und Amsterdam. Vor Ort werden auch lokale Gastkünstler zu hören sein. Infos zu Linz - Europas Kulturhauptstadt 2009 hier . Infos zu Hubert von Goisern hier

 

Antikorruptionsindustrie

Dirk Tänzer, Soziologe aus Konstanz, hat sich mit europ- und weltweiten Formen der Korruption befasst. Hintergrund: das EU-Projekt „crime and culture“. „Korruptionsbekämpfung hat sich zu einem wirkungsvollen Instrument der Politikgestaltung entwickelt.“, notiert Tänzer, auch weil Nichtregierungsorganisationen wie Transparency International erfolgreich am Agenda-Setting der staatlichen Politik beteiligt: „Neue Behörden bei der UNO, der EU (z. B.OLAF) des Europarates (z.B. GRECO), aber auch in Einzelstaaten wurden gegründet, die sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben haben. In Zeiten der Audit- Society (Power 1997) hat der jährlich von Transparency International veröffentlichte Korruptionswahrnehmungsindex ein zwischenstaatliches Benchmarking in Gang gesetzt, das sich innerhalb der nationalen Organisationen fortsetzt und als Gradmesser der Modernisierung, als Lackmustest für Demokratie und Marktwirtschaft dient, von deren Niveau die internationale Zusammenarbeit, z. B. Militär- und Wirtschaftshilfe, abhängig gemacht wird. Nicht mehr nur die Kritiker, sondern selbst die Funktionäre dieser Kampagne (denen wie seine journalistischen Kollegen auch der Autor als mit EU-Drittmitteln finanzierter Forscher auf dem Gebiet zuzurechnen ist) sprechen mehr oder weniger unverhohlen von einer mächtigen Antikorruptionsindustrie mit steigenden Umsätzen.“ Seine Überlegungen zu „Korruption als Methapher“ finden Sie vollständig hier

 

Plurales Gedenken

Annette Eberle, freiberufliche Historikerin und Pädagogin, beschäftigt sich mit den Problemen einer europäischen Erinnerungskultur: „Seit der Auflösung der Ost-West-Blockbildung sehen sich NS-Gedenkstätten der scheinbar widersprüchlichen Anforderung gegenüber, die gespaltene deutsche Erinnerungstradition in eine einigende, nationale Identität stiftende Gedenkkultur zu überführen ohne Abkehr von ihrer europäischen Ausrichtung.“ Die Erweiterung der Europäischen Union habe das Erfordernis eines pluralen Gedenkens, das dem Andenken an die Opfer aus allen von NS-Deutschland verfolgten Ländern gerecht wird, zusätzlich befördert: „Es geht um die trans-nationale Verständigung über die Differenzen in den einzelnen Sichtweisen.“ Mehr hier

 

Fußball-Kunst/Kunst-Fußball

Harun Farocki befasst sich mit seiner Installation „Deep Play“ mit dem Fußball-WM-Endspiel Frankreich - Italien 2006 im Berliner Olympiastadion und dabei alle zugänglichen alle Film- und Videoaufnahmen zusammengetragen: vom Ausgangsmaterial der Fernsehanstalten bis zu den Bildern der Überwachungskameras. Dazu tritt eine mathematische Analyse des Spiels. Den Sound machen die Stimmen von Moderatoren, Polizei und TV-Regie. „Man sieht, wie unheimlich nahe die Wünsche der GenießerInnen, der Trainer und der Polizei einander sind.“, schreibt dazu Diedrich Diederichsen: „Wie im wirklichen Leben.“ Zugleich wird klar, dass die High-Tec-Kontrolle der Fußball-Fans als ein Labor für die mögliche Überwachung aller gesellschaftlichen Bereiche funktioniert. Die Installation ist derzeit Teil des fünften „11mm – das Internationale Fußballfilmfestivals“ in Berlin. Das weltweil einmalige Festival Kurzfilmwettbewerb "shortkicks" ausgewählte Filme zum Thema.

Mehr zum Internationalen Fußballfilmfestival  hier

Mehr zu Harum Faroqui’s Installation „Deep Play“ hier

 

Dialog auf alle Fälle

Jürgen Habermas bezweifelt, ob wir von einer „postsäkularen“ Weltgesellschaft sprechen können: „Die Säkularisierungsthese ist, obwohl sie von den Entwicklungen in den europäischen Wohlstandsgesellschaften bestätigt zu werden scheint, in der soziologischen Fachöffentlichkeit seit mehr als zwei Jahrzehnten umstritten. Im Fahrwasser der nicht ganz unbegründeten Kritik an einem eurozentrisch verengten Blickwinkel ist nun sogar vom „Ende der Säkularisierungstheorie“ die Rede.“ Denn weltweit boomen die Religionen (nach Angaben des Vatikans stellen die Muslime mittlerweile 19,2 Prozent der Weltbevölkerung und haben damit die Katholiken (17,4 Prozent) von Platz 1 der Weltreligionen verdrängt). Gefragt ist nach Habermas wieder einmal die Lernfähigkeit aller Seiten: „Ist ein Lernprozess nur auf der Seite des religiösen Traditionalismus und nicht auch auf der des Säkularismus nötig? Verbieten nicht dieselben normativen Erwartungen, die wir an eine inklusive Bürgergesellschaft richten, eine säkularistische Abwertung der Religion ebenso wie beispielsweise die religiöse Ablehnung der Gleichstellung von Mann und Frau? Ein komplementärer Lernprozess ist auf der säkularen Seite jedenfalls dann nötig, wenn wir die Neutralisierung der Staatsgewalt nicht mit dem Ausschluss religiöser Äußerungen aus der politischen Öffentlichkeit verwechseln.“ Den ganzen Text finden Sie hier

 

Keine Werbepause

Vilgot Sjöman und Claes Eriksson, beide Filmregisseure aus Schweden, verdanken wir eine erfreuliche Nachricht: der Oberste Gerichtshof Schwedens hat ihnen bestätigt, dass Werbeunterbrechungen von Filmen im Fernsehen stets eine "Kränkung der Integrität des Werkes und des Urheberrechts des Regisseurs" sind. Gegenstand des Verfahrens war die Ausstrahlung der Filme "Alfred", einem Porträt von Alfred Nobel (Sjöman) und "Der Hai, der zuviel wusste", eiem Spekulantendrama von Eriksson. Die Schweden waren von prominenten Kollegen wie Martin Scorsese, Woody Allen und Oliver Stone unterstützt worden, die sich bereits andernorts vergeblich gegen die kommerziellen Unterbrechungen gewehrt hatten.

Das Urteil erfolgte einstimmig, eine Berufung ist nicht möglich. Auch die Vorinstanzen hatten im Sinne der Regisseure entschieden. Werbeblöcke in Filmen sind damit in Schweden ab sofort grundsätzlich illegal – es sei denn, die Filmemacher geben ihr Einverständnis für die Unterbrechungen. Ein vergleichbares Urteil gibt es in Europa nicht, in Italien waren beispielsweise ähnliche Versuche prominenter Filmemacher gescheitert, die Zerstückelung ihrer Werke zu verhindern.

Allerdings haben Regisseure immer wieder erfolgreich durchgesetzt, dass ihre Filme auf der Leinwand nicht beschädigt wurden. So klagte Charlie Chaplin 1959 erfolgreich gegen die seinem Stummfilm "The Kid" später unterlegte Musik, John Huston verhinderte die Kolorisierung seines schwarz-weißen „Malteser Falke", seine Tochter Angelica gelang das Gleiche bei  "Asphalt-Dschungel"; einem weiteren Klassiker ihres Vaters. Beide Urteile wurden in Paris gesprochen. Sjöman selbst, der im Laufe des Verfahrens vor zwei Jahren starb, erstritt in den USA in den Sechzigerjahren die Freigabe seines erotisch-politischen Films "Ich bin neugierig - Gelb".

Das Urteil des Obersten Gerichtshof finden Sie hier af Englisch.

Informationen zu der Zensurgeschichte von Vilgot Sjömans Film „Ich bin neugierig – Gelb/Blau“ finden Sie hier

 

Herausforderung

Prof. Dr. Wolfgang Schneider hat das zehnjährige Bestehen des „Instituts für Kulturpolitik“ an der Stiftung Universität Hildesheim zum Anlass genommen, um über die „Europäische Integration als Herausforderung Auswärtiger Kulturpolitik“ nachdenken zu lassen. Zur Konferenz des Wissenschaftlichen Initiativkreises Kultur und Außenpolitik am 10./11. April 2008 geladen sind u.a. die Europapolitiker Dr. Godelieve Quisthouft-Rowohl (MdEP) und Steffen Reiche (MdB), der Generalsekretär des Instituts für Auslandsbeziehungen Prof. Dr. Kurt-Jürgen Maaß, der Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Martin Kobler, der Intendant der Berliner Festspiele GmbH Prof. Dr. Joachim Sartorius, und der Präsident der Deutschen Vereinigung der Europäischen Kulturstiftung für kulturelle Zusammenarbeit in Europa Prof. Dr. Olaf Schwencke. Mehr hier

 

Frieden in Sicherheit, Amen

Dimitré Dinev, aus Bulgarien stammender Schriftsteller mit Wohnsitz in Wien, dachte anlässlich einer Veranstaltung zum Gedenken des „Anschlusses“ von Österreich an Nazi-Deutschland am 12. März 1938 über den „Frieden in Europa“ nach. Mit zwiespätigem Resultat. „Frieden ist das Wort, dem ich, seit ich in Österreich bin, am häufigsten auf Friedhöfen begegne.“, siniert der Literat. „Es ist das Wort danach, das Wort nach dem Unglück, nach der Katastrophe, die Abwesenheit der Gewalt durch die Abwesenheit jeder Handlung, die Passivität schlechthin.“ Dagegen sei das Wort Sicherheit tagtäglich präsent: „Ich lese es in Zeitungen oder auf Plakaten, die die Haltestellen zieren. Denn mit der Sicherheit lässt sich viel leichter Politik machen als mit dem Frieden.“ Dafür lässen sich nach Dinev zahlreiche Belege in der europäischen Politik finden: „Der letzte Krieg ist nicht lange her und Europa hat sich nicht gerade mit Ruhm bedeckt. Sein Versuch Frieden zu stiften, ist fehlgeschlagen. Es hat versagt. Es kam sogar noch schlimmer. Denn während die vom Krieg vertriebenen Menschen an seine Türen klopften, wurden die Rechtsparteien stärker und die Aufenthaltsgesetze strenger. Der Europäer hat sich so verhalten, als ob dieser Krieg gar nicht in Europa stattfände, als ob er ihn gar nichts angehe. Die Fähigkeit zu verdrängen hat in Europa lange Tradition. Europa schläft lieber auf seinen Konten, die Träume von der Zukunft den Banktresoren anvertraut. Ihr sehnt euch nach Frieden, aber von unserem Frieden wollen wir euch nichts abgeben, verkündet der Europäer allen Menschen, die ihr Leben riskieren um hierher zu kommen. Doch den Frieden kann man nicht besitzen. Er ist kein Gegen-, sondern ein Zustand.“ Den Text der ganzen Rede finden Sie hier

 

Praktikum Kulturhauptstadt

Natalja Riffel, bei der RUHR.2010 - Kulturhauptstadt Europas GmbH u.a. für die Einstellung von Praktikanten zuständig, sucht interessierte Menschen, die sich an der Vorbereitung und Durchführung des Programms der Kulturhauptstadt beteiligen wollen. Einsatzmöglichkeiten für Praktikanten gibt es derzeit in der Abteilung Marketing & Kommunikation sowie beim Künstlerischen Team „Stadt der Kulturen“. Die Beschäftigung dauert mindestens 3 Monate bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden. Die Vergütung (nur bei Promotioneinsätzen) liegt bei  8,-€ /Std. Mehr Informationen hier

 

Wer kennt das EP?

Hans-Gerd Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, hat den Vertrag von Lissabon auch deshalb begrüßt, weil dadurch die Rolle des Europäischen Parlaments gestärkt wird. Wie Eurostat jetzt ermittelt hat, stehen die Europäer „ihrem“ Parlament durchaus positiv gegenüber. Allerdings müssen die Statistiker auch konstatieren, dass „die funktionellen Eigenschaften des EP in der breiten Öffentlichkeit noch recht wenig bekannt“ sind. Diese „Unkenntnis“ betrifft alte wie neue EU-Mitgliedsstaaten gleichermaßen. Es gibt also noch viel zu tun. Die Eurobarometer Umfrage zum Europäischen Parlament finden Sie hier hier

 

RegioStars

Danuta Hübner, EU-Kommissarin für Regionalpolitik, und Pasqual Maragall i Mira, Ex-Präsident von Katelonien und Jury-Vorsitzender des RegioStars, haben den Preis für innovative Regionalpolitik in diesem Jahr an fünf Projekte in drei Kategorien verliehen. U.a. an die Öresund Science Region, die grenzüberschreitend regionale Behörden, Unternehmen und 14 Universitäten in Dänemark und Schweden verbindet, u.a. in den Bereichen Logistik, Umwelt und Design.

 

Google-Imperium

Daniel Leisegang sorgt sich um die Privatspäre: „Im Internet geben immer mehr Nutzer – zumeist freiwillig – ihre letzte Intimität preis. Dabei sind die privaten Daten des Einzelnen mittlerweile zu einer profitablen Währung im World Wide Web geworden. Zwar werden zahlreiche Online-Dienste als kostenlose Angebote beworben – gratis sind sie deshalb allerdings noch lange nicht.“ An der Entwicklung hin zum gläsernen Menschen sind Suchmaschinen wie Google maßgeblich beteiligt. Der ganze Artikel ist bei Eurozine nachzulesen. Klicken Sie  hier  

 

Cultural Policy Research Award 2008

Amanda Brandellero, Studentin an der Universität Amsterdam, gewann mit ihrer Arbeit „Vielfalt herstellen? Ethnizität und die Entwicklung der Kultur in der Kulturwirtschaft“ (Manufacturing diversity? Ethnicity and the commodification of culture in the cultural industries) im letzten Jahr den Cultural Policy Research Award. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde ihr im feierlichen Rahmen des Kongresses kultur.macht.europa in Juni in Berlin überreicht. Jetzt schreiben die Europäische Kulturstiftung, der Riksbankens Jubileumsfond und ENTATC (European Network of Cultural Administration and Training Centers) den Preis zum fünften Mal aus. Bewerben können sich „academics, researchers and policymakers“ bis zum Alter von 35 Jahren. Ihre Arbeiten müssen zwischen dem 21. Februar und 23. Mai 2008 online eingereicht werden. Die Organisatoren bitten, unbedingt die Bedingungen der Ausschreibung zu beachten. Die Preisverleihung findet in diesem Jahr im Rahmen der ENCTC-Jahreskonferenz (16. – 18. Oktober) in Lyon statt. Mehr Informationen hier   

 

Culture Cities Net

Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments, hat die Schirmherrschaft für das Projekt Culture Cities Net 2010 übernommen. In dem Netzwerk arbeiten rund 20 deutsche und ungarische Städte zusammen, die sich neben den Siegerstädten Essen und Pécs um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“ beworben hatten - Istanbul als dritte Kulturhauptstadt vertritt ein Nicht-EU-Land. In diesem Jahr werden sich auch die Städte im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms präsentieren. Die Organisation des Culture Cities Net liegt bei der Europäischen Kulturstiftung. Mehr hie

 

Helden

Heiko Haumann beschäftigt sch mit dem Verhältnis von Heldentum und Volk in Osteuropa und kommt zu dem Schluss: „Der Zusammenhang von ‚Held’ und ‚Volk’ hat etwas mit Befreiung, Hoffnung und Erinnerung zu tun. Auffällig ist in Osteuropa die häufige Popularität gescheiterter, leidender und doch stolzer ‚Helden’.“ Am Beispiel von Tadeusz Kosciuszko und Aleksandr Suvorov, zwei osteuropäischen Helden geht er der Frage nach, unter welchen Bedingungen ein Mann zum Helden wird. Dabei entsteht eine kleine Typologie zwischen Verehrung durch das Volk und Manipulation derselben durch ein Regime. Das Essay ist bei Eurozine nachzulesen

 

Dosta – Genug!

Günter Grass, deutscher Nobelpreisträger, ist Sympathisant der Roma und Unterstützer von „Dosta!“ Das Romani-Wort bedeutet „Genug!“ und ist der Slogan einer Kampagne gegen die Diskriminierung der Roma in Europa. Die Kampagne ist eine Initiative des Europarates, der sich jetzt auch das Europäische Parlament angeschlossen hat. In einer Entschließung wendet es sich „in aller Deutlichkeit gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung der Roma und anderer als 'Zigeuner' betrachteten Bevölkerungsgruppen". Um die Lage der Roma zu verbessern, schlägt eine Reihe Maßnahmen vor, etwa den leichberechtigten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und die Beseitigung der Roma-Slums sowie Programme gegen die hohe Arbeitslosigkeit bei Roma-Gemeinschaften. Außerdem müsse die Tatsache des Roma-Holocaust endlich anerkannt werden. Die Kampagne wird sich vor allem auf Albanien, Bosnien, Herzegovina, Montenegro, Serbien und Macedonien konzentrieren. P.S.: Django Reinhardt, Yul Brynner und Serge Poliakoff haben eins gemeinsam: auch sie waren Roma. Mehr Informationen hier

 

Spanische Vergangenheitsbewältigung

Ian Buruma, Professor für Menschenrechte und Journalismus am Bard College in New York und bekannter Kommentator, geht die spanische Form der Vergangenheitsbewältigung zu weit. „Gesetze sind ein stumpfes Instrument, wenn es um Geschichte geht.“, meint er zu dem von spanischen Parlament eben verabschiedeten Gesetz zum historischen Gedächtnis, das alle Erinnerung an Diktator Francisco Franco und damit verbundene Feierlichkeiten untersagt: „Die Vergangenheit einer genauen Prüfung zu unterwerfen, ist eine Voraussetzung, um eine offene Gesellschaft am Leben zu erhalten. Aber wenn eine Regierung damit beginnt, kann Geschichte leicht zu einer Waffe gegen politische Gegner werden – und das ist genauso schädlich wie historische Untersuchungen zu verbieten. Alles in allem gute Gründe, die historischen Debatten Schriftstellern, Journalisten, Filmemachern und Historikern zu überlassen.“ Der ganze Artikel hier . Anbei einige ergänzende Hinweise zur „mörderischen Gemütlichkeit“ der spanischen Debatte aus der NZZ hier 

 

Ein wunderbares Paar

Dimitrij Rupel, slowenische Außenminister, hat in Straßburg die Prioritäten der slowenischen Ratspräsidentschaft vorgestellt und dabei die Bedeutung des Dialog zwischen den Kulturen, Religionen und Traditionen hervorgehoben. Zu diesem Themenkreis erstellt der Europarat derzeit ein  Weißbuch, das auch den interkulturellen Dialog behandelt. Rupel: „Es ist deutlich, dass der Europarat und die Europäische Union ein wunderbares Paar bilden. Die slowenische Ratspräsidentschaft arbeit aktiv an der Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen gemäß dem Motto unserer Präsidentschaft „Si.nergy for Europe.“ Zuvor hatte der Minister Terry Davis, den Generalsekretär der Organisation, getroffen.

Informationen zum Europarat finden Sie hier - Informationen zur slowenischen Ratspräsidentschaft hier

 

Europaparlament/Kulturausschuss

Katerina Batzeli, Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament und diplomierte Wirtschaftswissenschaftlerin, ist neue Vorsitzende des EP-Kulturausschusses. Außerdem ist sie in Sachen Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Klimawandel aktiv. Informationen zu ihrer Person finden Sie  hier

 

China in Afrika

Henning Mankell, schwedischer Theatermacher und Krimi-Autor mit afrikanischem Wohnsitz, befasst sich in seinem Roman „Le Chinois“ mit dem Auftreten Chinas in Afrika und entdeckt dabei ein Motiv der chinesischen Außen- und Wirtschaftspolitik, dem in der allgemeinen Debatte kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird: „China hat ein Problem der Überbevölkerung in ländlichen Regionen. Seine 200 Millionen Bauern verarmen immer mehr, damit wächst die Gefahr einer Revolte, ja eines „Sturms auf die Bastille“, also eines Angriffs auf die Kommunistische Partei. Die chinesischen Machthaber haben sich deshalb entschlossen, das Problem zu exportieren und die ärmsten der Bauern – das sind ungefähr 4 Millionen – in Afrika zu transplantieren. Sie sollen dort Landwirtschaft betreiben. Das ist eine schreckliche Form der Kolonisierung, das Gleiche, was die Portugiesen früher in Mozambique gemacht haben.“ Das Interview mit dem Nouvel Observateur (Französisch) hier 

 

Der Kampf geht weiter

Daniel Cohn-Bendit, jetzt Mitglied des Europaparlaments, 1968 einer der Führer der Studentenrevolte in Frankreich und Deutschland, mag die gängige 68er-Nostalgie ebenso wenig wie die verkrampften konservativen Versuche, die Revolte von einst tot zu reden. „Dieses antiautoritäre Rebellieren hat in ganz Europa immerhin eine neue Gesellschaftsform bewirkt.“, so der „rote Dani“ in einem Gespräch mit dem Internet-Magazin Cafe Babel. Und die Jugend Heute? „Es ist viel schwieriger heute jung zu sein als vor 40 Jahren.“, meint Cohn-Bendit. „Damals kannten wir keine Arbeitslosigkeit. Außerdem: Vor 40 Jahren war die Zeit der sexuellen Revolution, der Emanzipation. Da wusste man nichts über CO2-Ausstoß und über die Klimakatastrophe. Und vor 40 Jahren war es möglich, jedwede ideologische Verrücktheit zu formulieren. Die einen waren für die chinesische Kulturrevolution, egal, wie viele Tote sie produzierte. Die anderen für das totalitäre System Kubas. Wir waren, ich sage es immer wieder, prometheisch. Die Welt gehörte uns. Und wir waren in der Lage, die Welt anders zu gestalten. Heute weiß die Jugend, dass viele Dinge einfach gar nicht gehen. Deswegen ist es falsch, wenn man sagt, die Jugend sei heute nicht politisch. Die sind anders. Die sind sensibler, zum Teil ängstlich, aber nicht weniger politisch.“ Das ganze Interview finden Sie hier

 

Schwarz oder französisch

Liliam Thuram, in der Karibik geborener französischer Fußball-Nationalspieler, ist Mitglied im Französischen Integrationsrat (Council on Social Integration) und beschäftigt sich nicht nur mit der Geschichte der Sklaverei in Westindien. Um die Probleme zu verstehen, die mit der Integrationspolitik verbunden sind, empfiehlt er auch einen Blick zurück: „But if we fail to acknowledge the history of France we cannot understand what is happening today. For example, the classification of races drawn up by Gobineau dates from the mid-nineteenth century, and that is not so long ago; indeed it's really quite recent. In his Essay on the inequality of human races, the "blacks" are held to be inferior. Whether people remember this or not, this idea of inferiority – and he is not the only one to have promulgated such a theory in Europe – has left its mark on French society and still continues to be used to justify discriminatory attitudes.” Mehr seiner kritischen Anmerkungen zur rassischen Diskriminierung, die französische Identität und anderes können Sie bei Eurozine in English oder Französisch nachlesen: hier

 

Jugendkulturen superlokal

Tommi Laitio stellt fest, dass Europas Jugend nicht mehr blind den kulturellen US-Moden folgt: “The development of urban youth cultures in Europe proves that despite their mostly US origin, they often function as channels for voicing national and local concerns. There are many European experiences to be explored and shared. Phenomena such as street fashion, independent publishing, and hip hop have the potential to open up European elite-driven paradigms of quality, culture, and citizen participation.” Doch gerade die kulturelle Vielfalt bereitet Journalisten und Medien zunehmend Probleme: wie und über wen wo was schreiben? Mehr hier

 

Tatsachen sind subversiv

Timothy Garton Ash treibt seit längerem um, dass Europa “no longer knows what story it wants to tell”. Dabei schätzt er die europäische Idee, nicht aber eine Gegenüberstellung von „hard power“ und „soft power“ in der Welt der Politik: „Diese Dichotomie ist schlicht und einfach falsch. Soft power in der Definition von Joseph Nye ist Anziehungskraft, Attraktivität. Das haben wir Europäer. Aber wir haben auch eine große wirtschaftliche Macht, ebenbürtig der der Amerikaner, mindestens. Und das ist keine soft power, das ist ziemlich hart. Wir unterschätzen unsere eigene Macht maßlos. Es gibt keine politische Gemeinschaft dieser Welt, wo die Kluft zwischen potenzieller und aktueller Macht so groß ist wie bei der Europäischen Union. Wir haben viel mehr Macht, als wir glauben.“ Bei seinen Artikeln lässt er sich übrigens von zwei Einsichten leiten: „Tatsachen sind subversiv.“ (I.F.Stone) und „stets versuchen, das Schreiben über Politik zu einer Kunst zu machen“ (George Orwell). Mehr hier

 

Historischer Erfolg

Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, hat in einer Regierungserklärung  den "Vertrag von Lissabon" als einen „historischen Erfolg“ gewertet und als eine „Wegmarke zu mehr Handlungsfähigkeit in Europa“ bezeichnet. Die EU werde demokratischer, auch weil die nationalen Parlamente mehr Einflussmöglichkeiten erhielten: „Die europäische Politik wird in Berlin greifbar.“ Bis Mitte Mai 2008 würden Bundestag und Bundesrat den Vertrag ratifizieren. Insgesamt resümierte Merkel: „Europa hat die Hände frei“. Jetzt gelte es, die Rolle Europas in der Welt zu finden. Die Regierungserklärung zum Hören  hier

Der "Vertrag von Lissabon" im Wortlaut hier

Informationen zur Vorgeschichte hier und hier 

 

In Vielfalt geeint

Paulo Coelho, brasilianische Schriftsteller gehört ebenso wie der slowakische Dirigent Jack Martin Händler, der rumänische Regisseur Radu Mihileanu, der slowenische Konzeptkünstler Marko Peljhan, der katalanische Gambist Jordi Savall, der türkische Pianist Fazil Say und Marija Šerifovi, die serbische Gewinnerin des „Eurovision Song Contest“, zu den „Europäischen Botschaftern für interkulturellen Dialog“. Sie sollen im „Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008“ helfen, die kulturelle Vielfalt und den interkulturellen Dialog zu fördern. Beides gehört auch zu den Zielen der neuen europäischen Kulturagenda. Für das Jahr hat die Europäische Union ein Budget von 10 Millionen Euro bereitgestellt. Daraus werden neben einer Informationskampagne sowie Umfragen und Studien sieben richtungweisende europäische Projekte und 27 nationale Projekte (eines pro Mitgliedstaat) zum interkulturellen Dialog in der EU gefördert. Mehr  hier

 

Europäische Kooperation

Jan Figel, EU-Kulturkommissar und Prof. Dr. Max Fuchs, Vorsitzender des Deutschen Kulturrats, haben eine Zusammenarbeit im Rahmen des strukturierten Dialogs zur Umsetzung der EU-Mitteilung „Eine Europäische Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung“ vereinbart. Zu den Themen des Treffens gehörte u.a. Besteuerung ausländischer Künstler als Hindernis für die von der EU angestrebten Mobilität für Künstler und Fragen nach der Erteilung von Visa. Angesprochen wurden auch Aspekte des Wettbewerb, der Informationsgesellschaft und der Medien. Erörtert wurde auch die Offene Methode der Koordinierung (OMK), die die Gespräche strukturieren helfen soll. Figel will kulturpolitische Aspekte verstärkt in die EU-Gremien einbringen und betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit: „Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam die Debatte auf der europäischen Ebene bereichern und ausgewogenen Lösungen zuführen werden."

Die Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zur „Kulturagenda“ finden Sie hier

Ein Vorschlag von Kulturpolitischer Gesellschaft und Bundeszentrale für politische Bildung zu den Themen des „strukturierten Dialogs“ mit dem Kultursektor finden Sie hier[Internal]

Informationen zur „Koordinierten Methode der Koordinierung“ (OMK) hier[Internal]

 

Vielfalt statt Religion

Amartya Sen ist überzeugt, dass „die These eines ‚Clash of Civilisations’ grundsätzlich falsch und missverständlich“ ist, weil die Mitglieder einer so genannten Zivilisation nach dieser Interpretation „ausschließlich durch die Religion“ definiert werden: „Dabei gibt es so viele andere Zugehörigkeiten, wie Sprache, Literatur, Nationalität, Beruf, Lebensstellung, Erziehung, politische Bildung, soziale Überzeugungen“. Auswege aus der Identitätsfalle gibt es da reichlich. Zudem warnt der Nobelpreisträger auch vor einer Abkehr vom Multikulturalismus. Anlässlich der Verleihung des Meister Eckhart-Preises erklärte er: "Die Erfahrung mit unterschiedlichen Formen von Multikulturalismus zeigt, wie schnell man sich in den Fallstricken unklarer Unterscheidungen verheddern kann. Kulturelle Freiheit, die aus meiner Sicht für die Würde des Menschen unverzichtbar ist, darf nicht mit dem bloßen Eintreten für kulturelle Vielfalt verwechselt werden. Ebenso wenig besteht kulturelle Freiheit in der Feier kultureller Traditionen, an denen jeder Einzelne angeblich festzuhalten habe. Kulturelle Freiheit in multikulturellen Gesellschaften heißt zunächst also, dass man der reflexhaften Verteidigung des kulturellen Erbes erst einmal widerstehen muss. Was dann selbstverständlich die Möglichkeit einschließen muss, Traditionen nach wohlüberlegter Prüfung auch zu bejahen." Ein Interview mit Sen finden Sie hier  

 

Personalisierung = Transparenz

Claudia Kristine Huber hat für den „Mainzer Medien Disput“ die „Ursachen der unzureichenden deutschen EU-Berichterstattung“ erforscht und kommt zu den Ergebnis, dass „strukturelle Defizite die EU-Politik der öffentlichen Kontrolle entziehen“. Anders als etwa in Berlin seien „die Systeme Medien und Politik“ in Brüssel kaum voneinander abhängig: „Kommissare werden nicht gewählt. EU-Parlamentarier haben wenig Einfluss und sind sogar ihren Wählern meistens unbekannt. Von einer Personalisierung europäischer Politik haben politische Akteure in Brüssel keinen Vorteil, sondern im Gegenteil sogar Nachteile – weil mehr Transparenz für sie gleichzeitig mehr Kontrolle bedeuten würde.“ Auch die Medienkonzerne haben kaum Interesse an Europa. Beispiel Spiegel: in seinem Berliner Büro residieren 35 Journalisten, in Brüssel gerade mal zwei. Die ganze Studie über die „Black Box Brüssel“ finden Sie hier[Internal] 

Einen weiteren Bericht über die Probleme einer europäischen Öffentlichkeit finden Sie hier[Internal]

 

Europäische Öffentlichkeit

Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ und grundsätzlich kulturpessimistischer Zeitzeuge, hat einen „eher berüchtigten denn berühmten Artikel“ zum Verhältnis von Internet und Journalismus geschrieben, den er inzwischen mehrfach korrigiert hat (es geht doch, wie man hier sieht). Schirrmachers Variationen waren auch Thema einer Tagung über die europäische Öffentlichkeit. Referenten wie Eurozine-Chefredakteur Carl Hendrik Fredrikson oder der holländischen Medientheoretiker Geert Lovink wandten sich vehement gegen den Verfechter des Gutenberg-Prinzips. Kritik wurde auch an dem „eher schwerfälligen“ Konzept der Öffentlichkeit von Jürgen Habermas laut: „Die monolithische Idee einer umfassenden, integrativen europäischen Öffentlichkeit, die eine flächendeckende Verarbeitung grenzüberschreitender Themen und Positionen ermöglicht und so über einen kontinuierlich verfügbaren Resonanzraum politischer Diskurse sorgt, scheint schon angesichts der erheblichen Größenordnung von etwa einer halben Milliarde Menschen kaum realisierbar.“ Einen Tagungsbericht finden Sie hier  

 
 

Luftschlösser

Jens Beckert und Mark Lutter können empirisch belegen, dass Lotteriespielen als „Baugenehmigung für Luftschlösser“ betrachtet werden kann: „Mit dem Los erwirbt der Käufer eine minimale Chance auf einen Gewinn, der ihm unerreichbaren Reichtum bringen würde. Diese Möglichkeit, und ist sie noch so unwahrscheinlich, stellt eine zentrale Attraktion des Lotteriespiels dar.“ Allein in Deutschland setzt die Glücksspielwirtschaft rund 30 Milliarden Euro um. Ein Teil der Überschüsse mindestens aus dem Lotto kommt auch der Kultur zu Gute. Mehr zu Gewinn und Verlust unter hier

 

Bildungsempirie

Lisa Fluck, Urban Lissmann, Roland Arbinger, Doris Jäger-Flor und Reinhold Jäger sind gemeinsam das Team von zepf = dem Zentrums für empirische pädagogische Forschung. Bildung ein europa-weites Thema spätestens seit PISA I. Zepf erstellt regelmäßig das „Bildungsbarometer“. Sei Ziel ist, mit Hilfe einer repräsentativen Stichprobe von Personen, Aussagen über Bildung und das Bildungssystem in Deutschland zu gewinnen. Durch Verbreitung der Ergebnisse soll das Interesse an Bildung gestärkt werden. Aktuelle Ergebnisse rund um OECD & PISA finden Sie hier

 

Blick zurück

Barbara Gessler, Volker Hassemer und andere Experten diskutierten am 16. Oktober vergangenen Jahres mit der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ das Thema Europa. Seitdem ist kulturpolitisch viel geschehen. Sowohl die UNESCO-Konvention zum Schutz der Vielfalt ist unterzeichnet wie die EU-Kulturagenda verabschiedet. Zur Erinnerung ein Blick zurück auf das Wortprotokoll der Anhörung. Mehr hier

 

Empirische Ästhetik

Holger Höge, Professor an der Universität Oldenburg und Generalsekretär der International Association of Empirical Aesthetics (IAEA), sucht interessante Themen und Beiträge für den nächsten Kongress der IAEA. Er findet im August 2008 in Chicago statt. Die IAEA versteht sich als interdisziplinäre Gesellschaft und hat derzeit Mitglieder in 20 Ländern: “Although the majority of members are psychologists, our membership includes sociologists, musicologists, philosophers, and researchers who specialize in the study of painting, sculpture, literature, film, museum visitor behavior, and so forth.” Die Themenpalette des Kongresses ist weit gespannt: “The purpose of the Congress is to provide a forum for the exchange of ideas and information relating to various topics involving empirical aesthetics. Congress topics may include: Aesthetic Appreciation, Aesthetic Experience, Visual Perception and Art, Auditory Perception and Art, Psychology of Music, Appreciation of Art, Music and Literature, Culture and Media, Cinema, Festivals, Museology, and Art Education.”  Deadline der Themenvorschläge und Abstracts ist der 31.12.2007. Mehr hier  

 

Zur Wahl gestellt

Ruth Hieronymi MdEP gehört im Rahmen der Umfrage „Europäer des Jahres“ zu den Kandidaten der Kategorie „MdEP“. Veranstaltet wird der Event von der renommierten englischsprachigen Wochenzeitung European Voice. Als Begründung nennt das Auswahlkomitee „ die geschickte Verhandlungsführung und Durchsetzung der Richtlinie ‚Fernsehen ohne Grenzen’ im EU-Parlament“. Hintergrund ist die in diesem Jahr vom Rat und Parlament gemeinsam verabschiedete Richtlinie für Audiovisuelle Mediendienste, bei der Ruth Hieronymi als Berichterstatterin des Parlaments dafür gesorgt hat, dass Fernsehen nicht reines Wirtschaftsgut wird, sondern auch Kulturgut bleibt. Die Auszeichnung wird insgesamt in neun Kategorien vergeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist u.a. in der Kategorie „Staatsmann“ nominiert. Mehr hier

 

Nach dem Regen

Max Ernst, herausragender Künstler der surrealistischen Bewegung und Weltbürger, gibt den Betrachtern seiner Bilder weiterhin Rätsel auf. Jetzt hat die Karlsruher Kunsthalle eines seiner bedeutendsten Werke aus der Zwischenkriegszeit gekauft. „Europa nach dem Regen I“ entstand 1933. Das bemalte Gipsrelief zeigt Europa ohne Staatsgrenzen und die gewohnte geografische Gestalt. Der italienische Stiefel ist ebenso verschwunden wie Teile von Spanien und Frankreich. Das Mittelmeer ist noch erkennbar, hat aber seine Verbindung zum Atlantik verloren. Europa scheint eine gewaltige Naturkatastrophe hinter sich zu haben. Wie die Kunsthalle mitteilt, hat der Kunsthistoriker Ralph Ubl eine überzeugende Neuinterpretation vorgelegt. Danach wünschten „die Surrealisten als künstlerische Avantgarde eine tief gehende Veränderung der europäischen Zivilisation und hofften, durch die intensiven politischen und ideologischen Auseinandersetzungen gleichsam eine Katastrophe auszulösen, um anschließend Europa als terra incognita des revolutionären Lebens zu erkunden. Der Regen wird im Surrealismus positiv gedeutet, als Sinnbild eines Vorgangs, der das Bestehende wegspült“. Sieben Jahre später hat Max Ernst im us-amerikanischen Exil das Thema erneut aufgegriffen und eine zweite Version „Europa nach dem Regen II“ geschaffen.

Die Bilder finden Sie hier: 

"Europa nach dem Regen I"

"Europa nach den Regen II"

 

Europäische Außenpolitik

Thomas Speckmann beschäftigt sich mit „Rhetorik und Realität französischer Außenpolitik“ und kommt zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zu den USA nicht so groß sind, wie Nicolas Sarkozy und seine Vorgänger es gerne hätten: „Wo Milliardengeschäfte locken, hält sich Paris in der Regel mit Plädoyers für Demokratie und Menschenrechte zurück. Ob Russland oder Tschetschenien, China und Tibet – Vertragsabschlüsse der französischen Wirtschaft zählen mehr als Moralpredigten. Von diesen verschont wird jetzt sogar Libyen. Statt dessen soll Gaddafis Diktatur nach einem Militärabkommen mit Atomtechnologie, Ausbildung seiner Spezialeinheiten und Waffen verwöhnt werden.“ Mehr hier

 

 

Patchwork Europa

Karl Schlögel konstatiert, dass Europa zerfällt. An die Stelle eines einst homogenen zweigeteilten Raums  – "der Osten", "der Westen" - sind jetzt „Fragmente, Enklaven, Inseln“ getreten: „Für manchen ist das nur Stückwerk, aber in Wahrheit sind es die Teile, aus denen das neue Europa sich zusammenfügt. Der Zerfall ist die Form der Erneuerung, für einen Augenblick wenigstens. Es bringt mehr, sich an die Fragmente zu halten – sie sind reell – als an das Ganze, das vorerst doch nur ein Versprechen ist. Die offizielle Rhetorik hat dem nachgegeben, wenn sie die Fragmentierung, den Zerfall als Pluralisierung, als "Vielfalt in Einheit" feiert. Der Zerfall ist die Stunde der Desillusionierung, also der Aufklärung. Es zeigen sich dann auch die Kräfte, die ins Spiel kommen müssen, wenn etwas Neues entstehen soll.“ Den schon 2005 geschriebenen Text hat das Webmagzine eurozine jetzt wieder ins Netz gestellt. Hat sich in den vergangenen zwei Jahren etwas an der Bestandsaufnahme geändert? Mehr hier  

 

Digital Cinema

Véronique Cayla, Generaldirektorin des Centre National de la Cinématographie (CNC), und Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), haben sich auf eine gemeinsame Erklärung ihrer Institutionen zum bevorstehenden „Digitalen Roll-Out“ in Europa verständigt. Die Welle der Digitalisierung hat weltweit mittlerweile fast alle Unterhaltungsmedien erfasst. Das europäische Kino wird sich dieser Herausforderung stellen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Beide Institutionen plädieren für eine transparente Vorgehensweise bei der europaweiten Digitalisierung der Kinos, wobei insbesondere Qualität und Sicherheit sowie den einheitlichen technischen Standard und die Neutralität des verwendeten Equipments gewahrt werden sollen. CNC und FFA sind sich einig, dass eine europäische Kernkompetenz notwendig ist. Die flächendeckende Digitalisierung der Kinos werde nur gelingen, „wenn auch weiterhin ein unabhängiges und vielfältiges Kinoprogramm gewährleistet ist. Dabei zählen Qualität der Projektion und Interoperabilität ebenso zu den maßgeblichen Voraussetzungen wie ein einheitlicher Standard im Hinblick auf Technik und Sicherheit“. Dabei soll die Ausrüstung der Kinosäle sowie die Definition der Verwertungskette regelmäßig auf die strikte Einhaltung des internationalen Standards überprüft werden. Vorrangig sollen europäische Filme digitalisiert werden.

Für die technische Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von FFA und CNC in Zusammenarbeit mit der französischen „Kommission für Bildtechnik und Ton“ (CST) sowie dem Fraunhofer Institut Integrierte Schaltungen (IIS) durchgeführt. Erste Aufgaben bestehen konkret in der Schaffung einer gemeinsamen Test-Plattform, bei der die digitalen Kopien hinsichtlich ihrer Interoperabilität an den DCI bzw. den künftigen SMPTE Standard geprüft werden sollen.  Mehr Informationen zum Digitalen Kino hier 

 

Normalität im Paradies

Slavenka Drakulic, kroatische Schriftstellerin und Journalistin mit Wohnsitz in Stockholm, erzählt „Badezimmer-Geschichten“ und denkt über europäische Normalitäten nach: „Der Mangel an Toilettenpapier war sicherlich nicht der einzige Grund für den Untergang des Kommunismus, aber es ist eine schöne Metapher für eine Regime, das unfähig war, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen.“ Der Mangel an solch einfachen Dingen beflügelte die Sehnsucht nach „Normalität“ und das Missverständnis, in der Normalität das „Paradies“ zu sehen. Mircea Vasilescu, Literaturwissenschaftler und Redakteur in Bukarest, vermutet dagegen, dass die einstige Gleichsetzung von „Normalität“ und dem reichen Westeuropa eher der Beobachtung gewichen ist, dass es viele Normalitäten gibt. Aber ist es nicht normal, Schwierigkeiten mit Normalität zu haben ? Beide Artikel entstanden in Zusammenhang mit dem diesjährigen Eurozine-Treffen in Sibiu. Hier geht es zu Slavenka Drakulic , hier zu Mircea Vasilescu

 

Interkulturelle Offensive

Oliver Scheytt, Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, sieht ebenso wie sein Vorstand die interkulturelle Öffnung und Qualifizierung der Kulturpolitik „als die zentrale Herausforderung der Zukunft. Deshalb wollen wir mit unseren Mitteln dabei mithelfen, die Institutionen und Akteure im Kulturbereich für diese Aufgabe zu sensibilisieren und sie darauf vorzubereiten.“ Zu der „interkulturelle Offensive“ der Gesellschaft gehört auch die Tagung „Interkulturelle Bildung – Ein Weg zur Integration?“ die am 14./15. November in Bonn statt findet. Mehr Informationen hier 

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