Kultur macht Europa - 4. Kulturpolitischer Bundeskongress
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Forum 12

Wie funktionieren kulturelle Kooperationen in Europa und
was ist der »Europäische Mehrwert«?

Udo Gößwald, International Council of Museums - Europe, Berlin; Susa Pop, public art lab, Berlin; Burkhard Kolbmüller, SALVE consult Büro für europäische Projekte, Weimar. Moderation: Astrid Bjerke, Cultural Contact Point (CCP) Norway, Oslo; Sabine Bornemann, CCP Germany, Bonn.

Der Europäische Einigungsvertrag regelt, nach welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang die Europäische Gemeinschaft Kulturprojekte fördern darf. Allgemeines Ziel ist die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Kulturraums unter Wahrung der nationalen Eigenheiten. Zum Schutz der kulturellen Unabhängigkeit der beteiligten Staaten darf die EU dabei nur den Faktor »Kooperation« der gemeinsamen Projekte bezuschussen.

Was macht nun ein Projekt zum erfolgreichen europäischen Kooperationsprojekt im Sinne der EU-Förderpolitik? Was unterscheidet es von einem »nationalen Projekt mit europäischen Gästen«, was vom »Export eines nationalen Projektes« oder einer schlichten Verkettung bilateraler Aktivitäten? Welches sind die maßgeblichen Förderkriterien? Welche Hürden gilt es zu überwinden? Wie findet man Kooperationspartner in anderen Ländern? Welche Hilfe kann man bei der Antragstellung erwarten?

Nahezu alle Kulturkontaktstellen (CCPs) der über 30 am KULTUR-Programm der EU teilnehmenden Länder sind auf dem Kongress vertreten. Sie informieren darüber, welches die grundlegenden Förderkriterien des EU-KULTUR-Programms sind und wie die CCPs zum Gelingen eines erfolgreichen EU-Förderantrags beitragen können. Im Gegenzug können Kulturschaffende, die bereits Erfahrungen mit EU-Kulturanträgen gemacht haben, ihre Wünsche an das zukünftige Leistungsprofil der CCPs äußern.
Trotz der oft beschworenen Hürden im Wettlauf um die EU-Fördermittel: Es gibt sie doch, die erfolgreichen Projektanträge! Um verschiedene Spielarten europäischer Kultur-Kooperationen, ihre Chancen und mögliche Hemmnisse praxisnah zu veranschaulichen, werden Beispiele von Projekten präsentiert, die aus dem Programm KULTUR 2000 gefördert wurden. Im anschließenden Gespräch gibt es Gelegenheit zu vertiefenden Fragen sowie zur Vorstellung neuer Kooperationsvorhaben.
Die anwesenden CCPs geben erste Einschätzungen hinsichtlich eventueller Förderfähigkeit durch europäische Fonds.

Beispiele geförderter Projekte
Udo Gösswald gibt mit seiner Parabel »Der Marathon-Mann« zum Einstieg einen humoristischen Erfahrungsbericht über den erforderlichen langen Atem, den man für ein mehrjähriges Projekt mit Partnern aus insgesamt zehn Ländern braucht: »Born in Europe – New Identities« wurde vom Heimatmuseum Neukölln (DE) initiiert und 2001–2004 als Gemeinschaftsprojekt von sechs europäischen Museen durch das EU-Programm »Kultur 2000« gefördert. Gezeigt wurden Foto- und Videoarbeiten von 14 Künstlerinnen und Künstlern aus zehn verschiedenen europäischen Ländern. Die Partnermuseen waren das Nationale Museum der Weltkulturen in Göteborg (SE), das Dänische Nationalmuseum in Kopenhagen (DK), das Dänische Frauenmuseum in Aarhus (DK), die APOREM (Portugiesische Vereinigung der Firmenmuseen) und das Wassermuseum Lissabon (PT) sowie das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien (AT). Das Projekt wurde unterstützt vom Museumspädagogischen Dienst Berlin und dem Museum Europäischer Kulturen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
www.museum-neukoelln.de

Susa Pop stellt ein multimediales Pilotprojekt (Mobile Studios – a nomadic multimedia platform) vor, das 2006 von der Berliner Plattform Public Art Lab (DE) initiiert und gemeinsam mit den Kooperationspartnern A38 (HU), und BURUNDI (SK) realisiert wurde. Die mobilen Container-Studios, das Editorial-, Talk- und Live Studio, waren von April bis Mai 2006 in den Städten Belgrad (SI), Bratislava (SK), Budapest (HU) und Sofia (BG) stationiert. Jungen Künstlern, Musikern, Darstellern und Kulturschaffenden wurde temporär eine interaktive Experimentier- und Forschungsplattform im urbanen Raum bereitgestellt, die sie als Produzenten und Akteure besetzten. Unter Einbeziehung der Öffentlichkeit konnten so neue Strukturen im Umgang mit Kunst erprobt und diskutiert werden. Gleichzeitig wurde diese Kommunikationsplattform als Diskussionsforum genutzt, wo Öffentlichkeit und Personen aus der Kulturpolitik des jeweiligen Landes zusammentrafen.
www.mobile-studios.org

Das Projekt ARCADIA (Geschichte und Zukunft eines europäischen Traums) versucht den alten Arkadien-Mythos neu zu vermitteln und interpretieren, handelt es sich dabei doch um ein gemeinsames europäisches kulturelles Erbe. Mit künstlerischen Mitteln soll der europäische Gedanke darin aufgegriffen und neu formuliert , der Mythos "Akadien" dabei mit aktuellen Themen gefüllt werden. Angesichts von Kriegen, Terrorismus und Gewalt und der Frage nach der Zukunft Europas entwickelt das Thema "Arkadien" neuen Reiz. Die teilnehmenden Länder (FR/GR/DE) symbolisieren drei Entwicklungsstufen des arkadischen Mythos in der europäischen Geistesgeschichte zwischen Altertum, Renaissance und Aufklärung. Federführend ist die Communauté de Communes du Pays D´Astrée (FR), kooperierende Partner die Stadt Tegea (GR) und die Stiftung Weimarer Klassik (DE).
http://arcadia.ceid.upatras.gr/arcadia.eu

Challenging Walls - ein so genanntes »Drittstaatenprojekt«, das in 2006/07 durch das Programm KULTUR 2000 gefördert wird, sollte ursprünglich im Foyer ausgestellt werden. Leider wird dies aus Platzgründen doch nicht möglich sein. Interessenhalber sei es hier vorgestellt: 
Auch nach dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung vieler Grenzen innerhalb der Europäschen Union sind mentale und kulturelle Mauern immer noch vielerorts spürbar, z.B. im ehemaligen Jugoslawien, in Nordirland, in Zypern und in Deutschland. Aus diesem Grund lädt dieses Projekt Europäische Künstler und Künstlerinnen aus den genannten Ländern ein, Menschen auf beiden Seiten der jeweiligen Mauern zu porträtieren, um eine europäische und universelle Perspektive zu schaffen. Als Drittstaatenprojekt unter Federführung des Berliner Ateliers walkscreen l media art hat dieses Projekt seinen Mittelpunkt an der Mauer zwischen Israel und Palästina. Es gibt ein viertägiges Kunst-Event mit multimedialen Kunstinstallationen auf beiden Seiten der Mauer in Israel, Kreativ-Workshops für israeischen und palästinensische Kinder, durchgeführt von internationalen Künstlern und eine internationale Konferenz von Wissenschaftlern und Künstlern in Jerusalem.
www.walkscreen.de


Sabine Bornemann

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