Forum 2
Kulturexport – Kulturaustausch – Künstlerische Zusammenarbeit
Gerhard Horn, Kulturabteilung der Staatskanzlei NRW, Düsseldorf; Hans-Georg Knopp, Goethe-Institut, München; Pius Knüsel, Kulturstiftung Pro Helvetia, Zürich. Moderation: Alfred Eichhorn, rbb Inforadio, Berlin
Die Akteure im Geflecht der europäischen Kulturbeziehungen sind so zahlreich, dass man den Überblick schnell verlieren kann. Dennoch wird gemeinhin beklagt, dass auf diesem Feld zu wenig Sichtbares passiert oder zumindest im öffentlichen Bewusstsein wahrgenommen wird.
Diese allgemeine Einschätzung reflektiert zum einen den übergroßen Erwartungsdruck an Europa als Kulturgemeinschaft. Andererseits muss auch hinterfragt werden, ob die bisherigen Prioritäten, Strukturen und Arbeitsfelder einer grenzüberschreitenden europäischen Kulturarbeit gesellschaftlich noch wirksam sind, und ob diese Konzepte auch angesichts globaler Kultureinflüsse eine gemeinsame kulturelle Identität Europas überhaupt begründen können.
Noch in den 50er und 60er Jahren waren Städtepartnerschaften und Künstlerbegegnungen ein prägendes und weithin sichtbares Modell für den europäischen Kulturaustausch auf der Grundlage eines kommunalen und bürgerschaftlichen Engagements.
Zwischenzeitlich hat sich die Topographie der europäischen Kulturbeziehungen programmatisch, räumlich und qualitativ entscheidend verändert. Bedingt durch eine wachsende u.a. touristische Erschließung hat ein breites Publikum Zugang zu den europäischen Kulturen gefunden. Die Internationalisierung der Medienindustrie und des Kulturbetriebes spiegelt sich in den Programmstrukturen der Theater, Museen, Orchester usw. wider. Europäische Kulturbeiträge gehören heute zu einem selbstverständlichen Bestandteil des allgemeinen Kulturangebotes.
Vor diesem Hintergrund stellen sich Fragen, die die Konzeption der europäischen Kulturpolitik, ihre Prioritäten und Strukturen im Spannungsfeld zwischen Kulturexport und künstlerischer Zusammenarbeit betreffen:
- Welche Rolle spielen die internationalen Mittlerorganisationen im Kulturbereich?
- Was sind die Leitthemen und Leitprojekte für eine grenzüberschreitende Kulturarbeit?
- Wie positionieren sich die Regionen und Kommunen in der europäischen Kulturpolitik im Kontext der gesamtstaatlichen Verantwortung für die kulturellen Außenbeziehungen?
- Wie ist das Verhältnis von Kulturexport und -austausch zu dialogischen und kooperativen Programmen und Produktionen?
- Wie kann durch längerfristige und prozessorientierte Arbeits- und Austauschbeziehungen eine künstlerische Zusammenarbeit begründet, qualifiziert und erhalten werden?
Kurt Eichler
